MINI WELT bei Livres

An der Lyrischen Litfaßsäule, dem Gedichtbänden vorbehaltenen Part von Livres, dem Büchermagazin des luxemburgischen Tageblatts, bespricht Guy Helminger für die Sommerausgabe meinen jüngsten Auswahlband MINI WELT:

„Wussten Sie, dass das Meer der Feind der Dichtung ist, dass Möwen Pendlerinnen sind zwischen unseren Wünschen und Müllhalden? Wenn nicht, sollten Sie Stan Lafleur lesen, der seit langem zu den Großen der deutschsprachigen Lyrikszene zählt. Der Band MINI WELT (…) gewährt einen kleinen Einblick in Lafleurs momentanes Schaffen, sind die Gedichte doch unterschiedlichen unveröffentlichten Manuskripten entnommen. Während das Kapitel „Möwen von Jetzt“ Texte präsentiert, die alle zusammengehören, entlang einer feinen, bildlich ausgefeilten Linie operieren, und dabei über den vergehenden Moment in die Ewigkeit von Zeit verweisen, Erdgebundenheit hinter sich lassend bei der Erkundung des Alls, positioniert sich der Abschnitt „Wahrscheinlich schon in Bickendorf“ nicht nur in Lafleurs Wahlheimat Köln, sondern in der Spoken-Word-Akustik. Auch hier kennt der Dichter sich aus, gibt dem Deskriptiven den Vortritt, paart die Bilder mit Binnenreim und sich angleichenden Sounds. Beides hat Witz und ist von einem einnehmenden ästhetischen Gestaltungsprinzip durchzogen. Gutes Buch. (…)“

Blick in den Himmel

In der Ebene stehen sechs Kühltürme, aus dem
Himmel gesenkt, den Himmel erzeugend. Hinter
dem Kraftwerk lebe ich auf einer Art Hof
Ziehe Spargel in meinem Kopfkino, verschiebe

die Monate Richtung Weltall. Ich bin ein Mensch
des Kofferraums. Liebe schräge alte Geschichten
Notiere gute Sinnsprüche an mein Küchenfenster
Manchmal setzt es Prügel für einen Ortsfremden

Zur Kommunion paradieren die Wolken in weißen
Kleidchen. Man möchte meinen die Dinge gingen
ihren Gang, doch unterm Strich hat sich vieles

verändert. Der Bäcker ist ein verkappter Nerd
und schon lang kein Verlaß mehr darauf, daß die
Tage abends mit einem dicken Wumms umkippen