MINI WELT bei Signaturen

Bereits im vergangenen November erschien bei Signaturen – Forum für autonome Poesie unter dem Titel Kleine Welt, mittelgroße Elegien eine schwankende Rezension zu MINI WELT von Timo Brandt, die mir erst jetzt bekannt wurde.

Anhand des Prologs stellt der Rezensent Gedanken zum Gedicht an sich als je eigener Kleinstwelt an: „J
edes Wort, in Zusammenhänge versetzt, negiert riesige Möglichkeiten zugunsten einer einzigen Formulierung, und selbst bei der ist nicht gesichert, ob sie so aussagekräftig ist, wie man es gerne hätte. Gleichzeitig schillern schon im kleinsten Begriff verschiedenste Bedeutungsebenen, und um Nuancen hervorzuheben, bedarf es fein ausgearbeiteter Kanäle und Botschaften.“

Im Zyklus Möwen von Jetzt, der von Grenzverschiebungen zwischen artifizieller und herkömmlicher Natur spricht, entdeckt Brandt einen aufgeplusterten Mix aus Nonsens und Postmodernem: „Am Anfang kann ich die Gedichte von der Möwe noch mit Gewinn lesen, aber sehr bald fühle ich, dass meine Geduld strapaziert wird. Nicht durch Langeweile, sondern durch eine artifizielle Herangehensweise, durch die etwas zu simplen und nicht wirklich eruierenden Verläufe. (…) Denn obgleich manche Wendung die Möwe gut inszeniert, wirkt es doch im Ganzen so, als sei sie bloß ein vorgeschobenes Objekt, ein beliebiger Ausgangspunkt für Variationen. Obwohl von Entmöwung die Rede ist und von Rettungscodes – um das Wesen der Möwe geht es gar nicht.“

Die Kapitel 3, 4 und 5 betrachtet der Rezensent wohlwollender: „Auch hier vermischen sich Wesenszüge des Erlebens, des Schauens, mit herangezogenen Effekt-Anleihen, aber diesmal subtiler. Hier schwingt so etwas wie Wehmut nach der Kindheit mit, wie eine jugendliche Ungewissheit. (…) Ich mag besonders den Text „Nachmittag“, in dem bitter und doch sehr fein eine entleerte und zugleich anregende Alltagswelt gezeichnet wird, unübersichtlich und rau und doch voller Bedeutungskeime. (…) Es ist wirklich schön, wie hier das Zynische, das Gefühlige und das Nachdenkliche zusammenfließen; keines wird übergewichtet, und sie werden auch nicht gegeneinander gewendet. Wie Töne in einem Musikstück, in dem sie gleich oft vorkommen müssen, folgen sie aufeinander, existieren sie nebeneinander und formen gemeinsam eine Melodie, die sich nicht festlegen lässt.“

Abschließend attestiert Brandt „ein vielschichtiges Werk, mit einem sehr guten Gespür für Erlebnisstrukturen“, an dem er „die nostalgische, an die Idylle gerichtete Note als dominant“ empfindet.

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