MINI WELT bei Livres

An der Lyrischen Litfaßsäule, dem Gedichtbänden vorbehaltenen Part von Livres, dem Büchermagazin des luxemburgischen Tageblatts, bespricht Guy Helminger für die Sommerausgabe meinen jüngsten Auswahlband MINI WELT:

„Wussten Sie, dass das Meer der Feind der Dichtung ist, dass Möwen Pendlerinnen sind zwischen unseren Wünschen und Müllhalden? Wenn nicht, sollten Sie Stan Lafleur lesen, der seit langem zu den Großen der deutschsprachigen Lyrikszene zählt. Der Band MINI WELT (…) gewährt einen kleinen Einblick in Lafleurs momentanes Schaffen, sind die Gedichte doch unterschiedlichen unveröffentlichten Manuskripten entnommen. Während das Kapitel „Möwen von Jetzt“ Texte präsentiert, die alle zusammengehören, entlang einer feinen, bildlich ausgefeilten Linie operieren, und dabei über den vergehenden Moment in die Ewigkeit von Zeit verweisen, Erdgebundenheit hinter sich lassend bei der Erkundung des Alls, positioniert sich der Abschnitt „Wahrscheinlich schon in Bickendorf“ nicht nur in Lafleurs Wahlheimat Köln, sondern in der Spoken-Word-Akustik. Auch hier kennt der Dichter sich aus, gibt dem Deskriptiven den Vortritt, paart die Bilder mit Binnenreim und sich angleichenden Sounds. Beides hat Witz und ist von einem einnehmenden ästhetischen Gestaltungsprinzip durchzogen. Gutes Buch. (…)“

Rhein-Meditation: Rezension im Luxemburger Tageblatt

Unter dem Titel Gottesbeweise in den Wasserstürzen ist in der Buchbeilage Livres des Tageblatts die dritte Rezension zur Rhein-Meditation erschienen, wiederum eine durchgehend positive. Guy Helminger listet Stationen meiner ausgiebigen Rheinerkundungen und befindet: „Wer so tief in die Fluten taucht, muss eins werden mit ihnen, zugleich aber Sprachrohr der Natur und eigenständiger Denker bleiben. Genau mit diesem Paradoxon beginnt der Autor sein Sinnen über Entstehung, Dasein und Ableben. Der Rhein selbst scheint zu sprechen, dann wieder der Autor als tausendjähriges Medium, schließlich das Denken, gekoppelt an den Schriftsteller Lafleur. Dabei bleiben die Gänge der spirituellen Praxis immer an die haptische Wahrnehmung gekoppelt, an das sinnliche Erlebnis.“ Über Mara schreibt Helminger, daß der Leser nicht genau entscheiden könne, ob es sich bei ihr um eine existente Person oder eine Projektion handle: „Mit den Bergen verwachsen und das Meer hassend, sorgt Mara für eine Begleitung voll Witz und bodenständiger Souveränität. Wenn es sie denn nicht gegeben haben sollte, mußte sie erfunden werden.“ Anschließend beschreibt der Rezensent die stilistische Mischung, die dem Text zugrunde liegt: „Für seine Verquickung von Andacht mit Witz, von lyrischer Stille und prosaischem Alltag, von meditativem Kerngeschäft und ironischer Begleitung hat Stan Lafleur eine Fülle an Bildern, Metaphern und Lyrismen gefunden, die seine Prosa in eine mäandernde Fließbewegung führen und so die Begradigung des Rheins aufheben so wie die damit zusammenhängende Gedankenlosigkeit. Diese wortgewaltige Kontemplation ist Verifizierung der Natur durch Poesie genauso wie das Gegenteil.“ Auch Sätze anderer Denker würden vom Autor angesichts der rheinischen Landschaften als Bestandteile des Textes und wahr bestätigt. Herausgekommen, resümiert Helminger, sei „eine großartige Meditation, die alles ist, Poesie, Kindheitserinnerung, Philosophie, Landschaftsbeschreibung genauso wie Liebeserklärung und Gottsuche.“