]trash[pool #8

trashpoolIm Jahr 1995, als in Köln der KRASH-Verlag und sein Umfeld eine neue Trash-Literatur propagierten, hatte ich eine elektropansen-Sondernummer herausgegeben, die sich mit deutschem Kulturgut wie dem Mundwasser Odol beschäftigte, und Texte versammelte, die auf (anti)literarische Weise literarische Konventionen brachen. Darunter befanden sich korrigierte Heimatromanseiten oder auch ein unbearbeiteter Text eines manisch erzählenden Kindes. Der Untertitel dieser Ausgabe lautete trashcamp. Nun, 22 Jahre später, hat die Tübinger Zeitschrift ]trash[pool drei meiner guatemaltekischen Gedichte, allesamt Markt betitelt, publiziert. Inwiefern der Trash-Begriff für das Literaturschaffen eine Rolle spielt, ist schon lange nicht mehr Bestandteil der literarischen Debatte gewesen. Womöglich hat die Literatur den Trash der 90er ohne großes Nachfragen absorbiert, woraufhin er es sich im Wirt gemütlich eingerichtet hat und seither zu veränderlichen Anteilen dessen Erscheinungsbild bestimmt. Es muss daher nicht zwangsläufig auf Trash deuten, wenn in ]trash[pool Gedichte mit Titeln wie bei straßenbauarbeiten oder Typ, der in den Gurkenlaster fiel aufweist. Aber es kann.

AutorInnen der Ausgabe: Timo Berger, Daniel Breuer, Tom Bresemann, Laura Bon, Raoul Eisele, Yannic Federer, Axel Görlach, Roman Israel, Philip Krömer, Stan Lafleur, Lucia Leidenfrost, Jasmin Mayerl, José Oliver, Michael Spyra, Fabian Steidl, Elisa Weinkötz, Daniel Weiss und Julia Wolf.

]trash[pool – Zeitschrift für Literatur & Kunst, 100 Seiten, Schwarz-Weiß-Illustrationen, 5 Euro

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