Puerto Àngel: Den Himmel meistern

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Irre erschließen die Wege, die später von Weisen beschritten werden: verblassende Zeilen nach Carlo Dossi an einer Fleischerei in Puerto Àngel

Der deutsche Wikipedia-Eintrag zu Arthur Cravan behauptet, der Boxerpoet sei zuletzt im November 1918 in Puerto Àngel (1) gesehen worden. Die Literatur bietet Anzeichen, dass Cravan sich tatsächlich für eine Weile in dem kleinen Fischerdorf (oder in dessen Nähe) an der Küste von Oaxaca aufgehalten haben könnte. In Puerto Àngel ist davon allerdings nichts in Erfahrung zu bringen. Zwei eher versteckte Murals unter dem Label der Acción Poética zitieren Verse des mexikanischen Rap-Literaten Danger Alto Kalibre und des italienischen Schriftstellers Carlo Dossi, eines Zeitgenossen Cravans. Keiner meiner Gesprächspartner kennt auch nur Cravans Namen. Durchaus möglich, dass Cravan unter einem weiteren Pseudonym in der Gegend unterwegs war, und keine Spuren hinterlassen wollte, denn er befand sich auf der Flucht.

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Während des Aufklarens entstehen Kolibri-Landschaften

Der Regen prasselt so laut aufs Terrassendach, dass ich meine eigenen Gedanken nicht mehr hören kann. Unterm Tisch schläft Thunfisch, der Hund meiner Gastgeber, der Knecht Ruprecht, dem Hund der Simpsons, in Aussehen und Verhalten bis aufs Haar gleicht. In Oaxaca kämen nach den ersten Starkregen der Saison zwischen drei und vier Uhr morgens die Chicatanas (geflügelte Blattschneider) hervor, die überaus schmackhafte Mahlzeiten abgeben sollen (2). Auf dem Arbeitstisch schillert eine Flasche Mezcal, über den nicht mehr zu erfahren ist, als dass „die Frauen aus den Bergen“ ihn produzierten, die alle paar Wochen oder Monate an die Küste herab kämen, um frisch destillierte Margen zu verkaufen. Der Regen ist der weltschnellste Drumcomputer. Mit überbordendem, in Worten unmöglich wiederzugebenden Getrommel rasiert er die Stromversorgung. Frösche und Unken nutzen die Strompausen, um lautstark Generatorengeräusche nachzuahmen. Am nächsten Morgen ist das ausgetrocknete Flussbett (der Fluss in Puerto Àngel trägt keinen Namen) zur Hälfte gefüllt: der Oberlauf am Hang östlich der Brücke so trocken wie zuvor, besteht der flache Unterlauf bis zur Mündung ins Meer aus reißenden schlammigen Fluten.

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Trügerisches Fischeridyll

In der Bucht werden Fische schubkarrengerecht geschlachtet, dh so, dass sie der Länge nach mit den Enden der Schubkarre abschließen und ihr Metallgrau in die unbestimmten Tiefen der Schubkarren übergeht. Haien werden umstandslos die Gebisse herausgehauen und die Rückenflossen abgetrennt. Erlegte Goldmakrelen transportieren die Traurigkeit des Mondes in die Mittagshitze. Der Fächerfisch darf sein Schwert nicht, dafür seinen Fächer behalten, Fächerfischmittelteile setzen bei jeder kleinen Brise Segel auf den Schubkarren. Viele Fischer sind breit bis an die Stirnunterkante, manche rennen halbnackt mit Schubkarren voller zerstoßenem Eis über die Straße und stolpern dabei in Schlaglöcher, wodurch antarktische Miniaturlandschaften sich über den Asfalt verteilen. Das Speiseeis heißt in Mexiko nicht nur Eis (helado), sondern auch, viel poetischer, Schnee (nieves).

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Und ewig äugt die Goldmakrele

„Die Mangos kosten 18 Pesos das Kilo, musst du abwiegen, mi vida, wer weiß wie viele du davon willst, die sind reif, die sind gut, mi vida, das da sind Pepinos, mi vida, wie Gurken, nur gelb, süß, das sind Früchte, kein Gemüse, gelbe Gurken, Süßgurken, mi vida“, sagt die Obstverkäuferin beim Obstverkaufen über das Obstverkäuferinnenleben bzw das Obst, denn mich wird sie ja wohl hoffentlich kaum mit „mi vida“ gemeint haben.

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Aus den künstlichen Farbstoffen Gelb 6, Gelb 5 und Rot 40 setzt sich die intensivste Glut pazifischer Sonnenuntergänge zusammen, eine Farbe wie sie sonst nur die Peñafiel-Mandarinenlimo aufweist.

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Mural im benachbarten Zipolite: „Vorsicht! Was du heute denkst, wird morgen wahr sein“

Unweit des Oxxo-Ladens sitzt an der Straße ein Mann mit verdreckter Jeans und löchrigem T-Shirt. Hinter ihm gähnt, gelb gestrichen, ein zur Straße offener Raum. Bis auf einen grünen Plastikhocker und eine brettgestützte Baumwurzel mit Haigebiss (zusammen ergeben sie die Skulptur: „Der Hai“) steht der Raum leer. Ob er mir sagen könne, wo im Dorf die Busse losführen? „Brauchst du ein Ticket, ich kann dir eins verkaufen“, antwortet der Mann. „Hier?“ Ich deute auf den bis auf die Hai-Skulptur leeren Raum. „Nein“, sagt der Mann und öffnet die Tür zu einem überaus düsteren Büro voller undefinierbarem Gerümpel direkt nebenan. „Brauchst nicht reinkommen“, sagt er, als er mein Misstrauen gegenüber diesem Raum wahrnimmt, „ich komm raus, hab alles hier in der Schachtel.“ Aus einer kleinen Box, ehemals eine Zigarrenschachtel, zieht er Busfahrplan, Quittungsblock und Stift. „Und das Ticket?“ „Ticket gibt’s nicht, komm einfach morgen vorbei, ich kenn‘ dich ja jetzt. Kannst gleich zahlen oder morgen, egal. Sei vor der Zeit da, der Bus fährt früher los, wenn der Fahrer Lust hat.“ „Hast du den Hai gemacht?“ „Den hab ich gemacht. Ist heiß hier, nicht viel los.“ „Machst du noch einen?“ „Mal sehen. Haigebisse gibt’s hier mehr als genug. Warum nicht? Eines Tages. Vielleicht.“

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Über den Strand rasen Schatten von Flugsauriern. Walt Whitman beschrieb sie in seiner Ode To the Man-of-War-Bird: „Thou born to match the gale, (thou art all wings,) / To cope with heaven and earth and sea and hurricane“. Außerhalb des Dorfes liegt ein kleines Palmenhütteninstitut, das eine mehrtägige Ausbildung zum Fregattvogel anbietet. Seit der letzte Hurrikan in Richtung Norden abgebogen ist, finden neben Theorie- auch wieder Flugstunden statt.

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kleine haie

Kleine Haie

Byron kennengelernt. Byron redet unentwegt (das Reden gehöre zu seinem Business). Als er von meinen Gründen für den Küstenbesuch erfährt, meint er, mir könne er erzählen, wovon er im Dorf besser schweige. Sein Vater nämlich habe den kompletten Lord Byron gelesen und geliebt und ihn entsprechend Byron getauft. Aus Neugier nach seiner Namensherkunft habe er in der Gesamtausgabe zu lesen begonnen und schätze Byrons Werk, soweit, ebenfalls. Seither frage er sich, ob die Kraft der Metafern die Naturgesetze übersteige. Im Dorf sei damit jedoch Vorsicht geboten. Man würde ihn für verrückt erklären und ausgrenzen, falls er sich oute, auf dunkle Verse eines toten englischen Dichters zu stehen. Nun dürfte es in diesem ein wenig dreckigen, zugleich malerischen Fischerdorf, so klein es auch ist, noch mindestens einen weiteren heimlichen Poesieliebhaber geben, wie mit Versen bepinselte Wände nahelegen. Dass diese von anonymer Hand angebracht wurden, bekräftigt der Rektor, an dessen winziger Schule sich eines der Graffiti befindet: obwohl im Dorf jeder jeden kenne, habe er keinerlei Ahnung, wer der Urheber sei.

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Es ist ein viel lyrischeres Dorf, als die Bewohner sich selbst gegenüber eingestehen. Im Gespräch will einer der Restaurantbesitzer an der Playa del Panteón (Friedhofsstrand) wissen, ob es spanische Übertragungen meiner Texte gäbe. Als ich ihm mexikanische Veröffentlichungen (3) nenne, erinnert er sich tatsächlich: „Du bist also der Typ mit den Blick in den Himmel-Gedichten!“ Die hätten ihm gefallen, schließlich sei er täglich mit reichlich nutzlosem Himmel konfrontiert. Um den heutigen Himmel zu feiern und zu meistern, holt er mehrere Flaschen Mezcal „von den Frauen aus den Bergen“ aus seinem Kabuff. Wann die denn wieder kämen, möchte ich wissen. Für morgen seien sie versprochen: „Aber manchmal bleiben sie dabei unsichtbar.“

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Was darf’s sonst noch sein?

(1) Stand: 25. März 2017. Die Behauptung bleibt ohne Quellenangabe. Der deutsche Artikel weicht damit ab von den englischen, französischen, italienischen, niederländischen und türkischen Versionen (Stand: November 2017), welche die letzte Sichtung in Salina Cruz lokalisieren. Diese teils mit Quellen versehenen Angaben beinhalten wiederum voneinander abweichende Behauptungen. Der spanische Eintrag verortet Cravans Verschwinden nach André Breton „irgendwo im Golf von Mexiko“, also auf der karibischen, anstatt auf der pazifischen Seite.
(2) Nach langwieriger Suche gelang es später, ein Gläschen mit Olivenöl und Chili angemachter Salsa de Chicatana (Blattschneidersoße) aufzutreiben. Chicatanas werden in Mexiko mit Gold aufgewogen. Wer probieren möchte, mag sich gerne melden.
(3) In La Jornada und punto de partida (einer bekannten Studentenzeitschrift aus der Hauptstadt, die, wie ich nun weiß, auch von Restaurantbesitzern in der Provinz gelesen wird). In Übertragungen von Daniel Bencomo und Gonzalo Vélez (jeweils im Jahr 2011, als Deutschland Gastland auf der Internationalen Buchmesse von Guadalajara war).

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İstanblues

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İstanblues fungiert als Kompilation der ersten beiden Bände (Beyoğlu Blues, Istanbul Bootleg) der Istanbul-Trilogie des Kölner Dichters Gerrit Wustmann. Die zweisprachige Ausgabe erscheint nur in der Türkei. Eine Botin, die vom Bosporus an den Rhein geheiratet hat, brachte dieser Tage einen Stapel Exemplare in die Domstadt.

Istanbuls Blues heißt eigentlich hüzün, eine lokale Sonderform der Melancholie wie die saudade der Portugiesen, „eine kollektive Stimmung des Scheiterns und des Verlustes“ wie Orhan Pamuk schreibt, die sich sichtbar in den Grautönen auslebt, in die die Männer sich kleiden, und in deren kargen Gesichtsausdrücken, wenn sie auf der Galatabrücke ein paar Sardinen aus dem Wasser ziehen. Viele der bekanntesten Istanbul-Gedichte sind auf diesen melancholischen Grundton geeicht. An einige von Istanbuls Bedichtern der letzten hundert Jahre knüpft Wustmann an, indem er ihre Motive als Leitfäden verwendet: zentrale Begriffe aus den Texten von Nâzım Hikmet, Cahit Külebi oder des Meistererzählers Sait Faik Abasıyanık bilden die Gerüste für kurz gehaltene, in klarer Sprache verfaßte Texte, weitere Referenzen gehen an den deutschen Autor Jörg Fauser, der Ende der 60er im Viertel Tophane als Junkie vor sich hindämmerte und schrieb und besonders an Orhan Veli, dessen Klassiker İstanbul’u dinliyorum (Ich höre Istanbul) Wustmann komplett für den Stadtteil Beyoğlu nachdichtet; der fiktive Dichter Ka aus Orhan Pamuks Roman Kar (Schnee) wird zur Projektionsfläche einer Nachdichtung, ohne daß Kas Gedichte – immerhin wissen wir grob, wovon sie handeln – der Menschheit bisher im Wortlaut bekannt wären.

Gerrit Wustmann findet Istanbuls Schönheit über beide Bände hinweg auffallend im schnell Vergänglichen, das sich tagtäglich wiederholt: im Flügelschlag der Möwen, in den warmen Farbtönen des gezuckerten, in Tulpengläsern servierten Tees, im Regenprasseln, in der Stille und den Stimmen der Nacht, in Lichtspielen und kurz im Blickfeld aufblühenden Ornamenten: fast alles beliebte, für Istanbul typische Bildmotive, die den Stadtcharakter als illustrierte Reportagen und millionenfach verschickte Postkarten seit Dekaden im kollektiven Bewußtsein umreißen. Das Paradox, Vergängliches in einer Sprache zu skizzieren, die um Zeitlosigkeit bedacht ist, funktioniert in İstanblues inhaltlich auf Kosten aktuellen Zeitgeschehens, das, nach dem Cover und der Ankündigung zu urteilen, für den in Kürze erscheinenden Abschlußteil der Trilogie, Taksim Tango, reserviert sein dürfte. Auf sprachlicher Ebene bricht die Gegenwart in İstanblues da und dort mittels Begriffen wie Skyline, Highway, E-Gitarre, Sendemast oder Pupillenreizung durch. Auf diese Weise verortet und isoliert der Band eine nostalgisch aufgeladene, längst zum Klischee verdichtete Stimmung und stellt sie, an Orhan Pamuks Masumiyet Müzesi (Museum der Unschuld) in Cihangir erinnernd, das ebenfalls bedichtet wird, in der sie adoptierenden Gegenwart aus.

Als die Gedichte des zweiten Teils Istanbul Bootleg entstanden, wohnte ich mit ihrem Verfasser Tür an Tür im deutschen Dichterghetto von Kuledibi in der Nähe des Galataturms. Abends unterhielten wir uns häufig auf der gemeinsamen Dachterrasse und schauten dabei auf den Bosporus und die Bewegungen in den Gassen des mitten in der Gentrifizierung begriffenen Viertels, letztere ein Umstand, zu dem unsere Anwesenheit beitrug. Ich sprach von den allgegenwärtigen Möwen und behauptete in einer Kolumne, daß ich keinen Istanbultext schreiben könne, wenn nicht mindestens eine Möwe darin vorkäme. In Wustmanns Istanbul Bootleg tauchen die in Istanbul omnipräsenten Vögel spätestens in jedem dritten Gedicht auf, was den Autor zum Member of the Möwement ehrenhalber qualifiziert.

Außer in Beyoğlu sind die Gedichte auf den Prinzeninseln lokalisiert, sie beschreiben somit, ohne explizit davon zu sprechen, Gassen und Orte in vergleichsweise privilegierten Vierteln, die von westlich orientierten Intellektuellen, jungen Künstlern und Touristen durchsetzt ihre alte Einwohnerschaft an den Stadtrand verdrängen, der selbst von den höchsten Hochhäusern der Innenstadt nicht zu erblicken ist. Gleichzeitig fühlen die Übriggebliebenen sich von einem Staat bedrängt, der ihre Privilegien einengt und werden die Straßen plötzlich von tausenden Kriegsflüchtlingen, die nichts besitzen, als was sie am Leib tragen, als Orte purer Existenz markiert. Geschichte passiert in Istanbul so schnell und gewaltig, daß sie kaum mitgeschrieben werden kann. Eine Straße, eben noch vorhanden, ist am Abend bereits abgerissen und zwei Monate später als eine völlig andere neu erbaut.

Im Nachwort spricht Wustmann von Istanbul als einer „schwierigen Geliebten“, die „störrisch, widersprüchlich, launisch und sprunghaft“ und davon, daß der erste Band gleichsam über Nacht gegen jede Überlegung entstanden sei. In den Gedichten selbst ist von Gott und das Panorama durchziehender Göttlichkeit die Rede: aus den Kontrasten, der permanenten Umwälzung, den überall sichtbaren Brüchen, die Istanbul so unbeschreiblich machen, lassen sich unzählige, unterschiedlichste Destillate gewinnen, denen der spezifische Geschmack der Stadt unweigerlich anhaften wird, weil sie bei aller Vielfalt und Differenziertheit zu den am leichtesten erkennbaren der Welt gehört. In Wustmanns Destillat schmeckt aus der geheimen Tausendgewürzemischung die elegische Note vor.

Im Vorwort vergleicht der für seine wendungsreichen Romane bekannte türkische Schriftsteller Alper Canıgüz die beiden tausendjährigen Städte Köln und Istanbul, um sich dem Istanbul-Zugang Wustmanns zu nähern und erwähnt auch einen Rheinspaziergang, den wir vor zwei Jahren gemeinsam unternahmen:

Bei meinem Besuch in Köln befiel mich das Gefühl, dass die ungeheure Energie in diesem einmaligen Zentrum der Kunst und Kultur der Spannung zwischen dem weltberühmten prächtigen Dom und dem Fluss entspringt. „Hier bin ich“, verkündete der Kölner Dom. „Vorläufig“, erwiderte der Rhein. „Ist nicht unbedingt wie der Bosporus, was?“, meinte Stan Lafleur, ein (…) befreundeter Kölner Dichter, als wir uns am Rheinufer auf einer Bank niederließen und es plötzlich dunkel wurde. „So ist der Kölner Himmel meistens; eine Decke für die Toten.“

Die etwas schräg klingende Formulierung von der Decke kam dadurch zustande, daß ich während des auf Englisch verlaufenden Gesprächs nicht auf den Begriff shroud kam, weswegen ich den gemeinten Leichentuchhimmel ein wenig umschreiben mußte. Alper Canıgüz jedenfalls freute sich an unserer faden, grunddeutsche Melancholie verströmenden Himmelsexotik wie sie in Istanbul allenfalls an Schneetagen vorkommt; dennoch entflohen wir den Himmeln zügig ins Brauhaus. Köln kennt im Gegensatz zu Istanbul für den Blues keine lokalspezifische Bezeichnung: wohl weil die Schwermut (in welcher Ausprägung auch immer) am Rhein keine Woche unbeschadet überleben kann.

Gerrit Wustmann: İstanblues, Foo Prodüksiyon, Istanbul 2016, Softcover, 102 Seiten, 10 YTL

Nachtrag, 02. April 2016
Tatsächlich dominieren den dritten Trilogie-Teil Taksim Tango über weite Strecken Gedichte zu zeitgenössischen Themen: Gentrifizierung und die Proteste im Gezi-Park im Frühsommer 2013, die quasi mit ihrem Auftreten, in das auch zahlreiche AutorInnen und PublizistInnen involviert waren, in die türkische Geschichte eingegangen sind. Im Nachwort zu Taksim Tango zitiert mich Wustmann mit dem Satz, Istanbul sei „ein Zellorganismus, der Minute für Minute Zellen abstößt und neue bildet“: ein Satz, der gewiß auf zahlreiche Metropolen zutrifft, doch nirgendwo sonst habe ich die Umwälzung einer Stadt so vehement und rasant empfunden wie bei meinen Aufenthalten in Istanbul.