Salina Cruz: Was bleibt ist das Verschwinden

Ensenada de la Ventosa lautet der Name einer Bucht hinter den östlichen Hügeln der mexikanischen Hafenstadt Salina Cruz. Von La Ventosa soll Arthur Cravan vor den Augen seiner schwangeren Frau Mina Loy mit einem leck erworbenen und selbst reparierten Boot auf den Pazifik aufgebrochen und für immer am Horizont verschwunden sein. Das war vor 99 Jahren. Über meine Verknüpfung mit Cravan hatte ich bereits an dieser Stelle geschrieben.

Nachts kommt der Cadejo, um dich zu beschützen oder zu töten: Mural in Salina Cruz

Der Bus von Tuxtla Gutiérrez nach Salina Cruz windet sich durch blassgrüne Sierra Madre, zeigt Hollywoodfilme im Bordfernsehen, taucht schließlich schlafwandlerisch hin und her unter den verschwommenen Oberflächen einer viel zu heißen Nacht. Bebenzerstört wabert und schummert die Stadt Juchitán de Zaragoza bei der Durchfahrt im Dunkeln: ein trüber Schemen. Angelangt in Salina Cruz, in der Literatur da und dort als Weltende beschrieben, klappere ich eine ganze Reihe Hotels ab. Keines möchte mir Unterkunft gewähren. Aufgrund der Erdbebenschäden – mit der Raffinerie musste der größte Arbeitgeber stillgelegt werden – sei die Stadt überfüllt mit auswärtigen Hilfskräften und Experten. Aufgeweicht von einem Zehntagesfieber aus den Bergen beratschlage ich auf der Straße mit meinem Fieber-Ich, was zu tun sei. Die Stadt sirrt vor irregeleiteter Elektrizität und fremden Augenpaaren. Just in einer ausladenden Schlaufe besten Leerlaufs im Schädel erscheint aus der Mitte der Nacht zu schlagartig entspannter Zikadenmusik ein Rezeptionist, der mich zuvor abgewiesen hatte und meint, wie gut, dass er mich aufgetrieben hätte, denn er habe in den Tiefen seines Hotels doch noch ein bisher unbekanntes, leerstehendes Zimmer entdecken können. Es müffelt und besitzt keine Klimaanlage. Die Allianz aus nächtlicher Hitze und gestauter Zimmerluft besiegt schließlich in hartem Ringen das Fieber, das mir zuletzt in Tuxtla heftig in die Beine getreten hatte.

Die Bucht von La Ventosa experimentiert mit Farben vergangener Jahrzehnte

Am Morgen fahre ich mit dem Colectivo zum Strand von La Ventosa. In Mexiko herrschen Puffertage zwischen dreitägiger Staatstrauer und den Unabhängigkeitsfeiern. Düfte röstender Tortillas und getrockneter Fische verhängen das Zentrum, angereichert mit Chili- und Koriandernoten. Am Markt und am Strand gehen die Dinge ihren Gang. Den Strand beschließt eine Lagune, hinter der die Erdöl-Raffinerie des Staatskonzerns PEMEX sich ausbreitet wie eine Kulissenstadt aus dem Star Trek-Universum. In der Bucht landen Fischer Mantas an und sind zu beschäftigt, meine Grüße zu erwidern. Mehr als das: sie schauen überaus finster drein und ignorieren mich komplett. Vielleicht leben sie in einer anderen Dimension und können mich deswegen weder hören noch sehen. Ansonsten ist niemand zugegen. Außer zwei Hunden. Und mir. Ich laufe den Strand auf und ab und denke: aha, und soso, und hier also. Nach einiger Zeit gewinnt der Ort an Größe und Traurigkeit. Ein mit sich selbst fremdelndes Jahrhundert scheint sich in diesem Abseits zu verdichten, zu überlagern, in schwächlichen Brisen im Kreis zu wandern. Viel gibt es nicht von sich preis, doch lässt sich sehr leicht vorstellen, an welcher Stelle Mina Loy schwanger am Lagerfeuer gesessen haben mochte, einen Oktopus am Spieß garend, an einer Horchata nippend, die Nacht durchwachend, voll böser Ahnung, nachdem ihr Mann über den Horizont gesegelt war.

Mina Loys Lippen materialisieren sich für einen flüchtigen Moment. Sie bleiben stumm

Nach einiger Zeit suche ich, um Schatten zu genießen, die verlassene Strandbar auf. So verlassen ist sie dann doch nicht. Aus dem Off erscheint, mich anpfeifend, der Besitzer, und bringt eine kühle Kokosnuss. Hernán Cortés sei einst vorbeigekommen, das Meer käme seit 40 Jahren ständig näher (er verweist auf alte, von der Flut verschluckte Strandlinien), eine Ölpest habe es gegeben, französische Gringos, die dachten, dass sie keine Gringos seien, die Rettung eines gestrandeten Wals, die es auf Youtube gebracht habe und ein bis heute gern erinnertes Aufsehen, weil eine Italienerin gemeint habe, hier (der Mann weist auf die ungefähre Stelle) ein Nacktbad nehmen zu müssen – das sei die komplette Geschichte der Bucht, von einem Dichter sei nichts bekannt. Ob ich keine Angst habe (Beben, Tsunami), er habe keine Angst. So endet meine Pilgerfahrt nach La Ventosa in Smalltalk mit der einzig verfügbaren Person. Während ich darüber nachdenke, was das zu bedeuten habe, erscheinen Fregattvögel und Rabengeier, um die Manta-Eingeweide in Augenschein zu nehmen, exakt hinter der Brandungslinie landen vornehm 13 Pelikane. Von meiner Stirn tropft Schweiß ins Notizbuch. Der Horizont kleidet sich in Banderolen. Das pazifische Rauschen. Das pazifische Blau.

la muerte

Ungefähr zwei Drittel aller Murals in Salina Cruz thematisieren den Tod

Am Nachmittag schlendere ich zur Städtischen Bibliothek, einem der beeindruckendsten Gebäude der von Hügeln umgrenzten Stadt. Vielleicht lassen sich dort Anhaltspunkte finden, existiert im Idealfall gar ein kleines Cravan-Regal. Vor der Bibliothek wacht eine unfassbar schöne Polizistin, und meint, ich dürfe das Gebäude nicht betreten, wegen Einsturzgefahr. Damit hatte ich nicht gerechnet. Nicht mit der überirdischen Ausstrahlung einer Frau in Uniform, nicht mit einem dermaßen tief in meine Psyche dringenden Lächeln. Die Verwirrung reicht so weit, dass jeder Gedanke an das Normale, nämlich sie zu schmieren oder einen bedeutenden Besucher zu markieren (oder beides), außer Kraft gesetzt wird. Erst Stunden und Tage später, hinter den Stadtgrenzen, sprich: viel zu spät, wird ein Gewitter derartige Lösungen wieder auf meinen inneren Schirm spülen. Auf diese Weise versiegt auch meine zweite Spur (falls in der Bibliothek Spuren aufzutreiben gewesen wären): neue Fakten über Cravans Verschwinden sind vor Ort zu diesem Zeitpunkt nicht aufzutreiben. Entweder sind sie tatsächlich inexistent oder sie schützen sich mit durchschaubaren, aber effektiven Tricks vor ihrer Entdeckung.

eine bunte geschichte vom verschwinden

Im Ansatz bunte, kühne, mehrschichtige Geschichte vom Verschwinden

Weil keine dritte Spur zur Hand ist, marschiere ich durchs Stadtzentrum voller Staub und Hitze und Schutt. Straße auf, Straße ab, mit ihren handgemalten Straßenschildern. Das ganze im Karree und sobald ich damit fertig bin, beginne ich wieder von vorne. Die Menschen wirken perspektivlos-freundlich. Machistisch regieren Hitze und Staub, mit der Absicht und dem Potential, absolute Gleichgültigkeit zu erzeugen. Ich setze mich in ein Fischrestaurant und denke, soweit man das Denken nennen kann, über mögliche Unterschiede zwischen den Zuständen des Vegetierens und des Nirwanas nach. Und darüber, dass Salina Cruz der perfekte Ort sei, der eigenen Zerrüttung zuzuschauen und/oder in einer fiebrig-spinnerten Aktion verschütt zu gehen. Das Ende der Welt kurz vor deren Umkippen ins pazifische Blau, das sich aus allen bekannten und unbekannten Blautönen zusammensetzt, womöglich gleichzusetzen mit dem anderen Blau, von dem Rolf Dieter Brinkmann geschrieben hat und das von Köln aus erreichbar sein muss.

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Karlheinz

billy hutter_karlheinz

Als „eine Art Roman“ bezeichnet Autor Billy Hutter sein Buch, auf das mich Dieter M. Gräf aufmerksam gemacht hatte. Das Cover mit seinen in Kodacolor gefaßten Kontrasten gefiel ebenso auf den ersten Blick wie der Neugier schürende Untertitel „Ein Stück von Karlheinz steckt auch in Euch“. Daß Karlheinz, den Billy Hutter im Buch und darüberhinaus als Paradebeispiel eines deutschen Durchschnittslebens „projektiert“ hat, tot im „deutschen Schicksalsstrom“ Rhein gefunden wurde, brachte zudem unverzüglich meine rheinsein-Ader in Wallung.

Karlheinz, wahlweise mit Bindestrich, hießen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts unsere Komponisten, Schauspieler und Fußballer („der Treter mit dem Engelsgesicht“). Noch häufiger war der Name bei Bauarbeitern, Laboranten und obskuren Onkeln anzutreffen – kleinen Männern, für die selten literarische Worte bemüht werden (1). Laborant und obskurer Onkel zugleich war Karlheinz Naksch (1929–1989) gewesen, dessen Nachlaß Billy Hutter, der im Brotberuf als Entrümpler (2) arbeitet, einem Schatzsucher-Impuls folgend hortete, erforschte („Sauerkrautbüchsen, dreißig oder vierzig Stück, die einzigen Lebensmittel, die er auf Vorrat gekauft hat – Verdauungsprobleme? Skorbut?“), sortierte, deutete, im Rahmen von Kunstaktionen zugänglich machte und über die Jahre zum Buche Karlheinz faßte: die große leidenschaftslose Geschichte vom Versinken unter den Möglichkeiten, das Hohelied vom antriebsarmen Versacken in den unaussprechlichen Fallen des Aufbruchs nach dem Zweiten Weltkrieg.

Die Stadt ist eine Arbeiterstadt. Es ist meine Stadt. Hier dominiert leider ein schlechter Geschmack. (…)
In einer vom Pfälzischen Fremdenverkehrsverband e. V. (…) Ende der 1930er Jahre herausgegebenen Broschüre – „Deutschland – Die Pfalz am Rhein“ – (von Karlheinz mehrfach unbeherrscht mit „1939“ bestempelt) werden im Abschnitt Ludwigshafen unter dem Punkt Sehenswürdigkeiten im Wesentlichen der großartige Schiffsverkehr auf dem Rhein, die Werke der I.G. Farbenindustrie und der Blick auf Mannheim genannt.

Neben Karlheinz gebührt die zweite Hauptrolle des Buchs der Stadt Ludwigshafen, ihrer parallel zu Karlheinzens Leben verlaufenden Geschichte, sowie der näheren Umgebung. Daß die Pfalz exemplarisch für deutschen Durchschnitt steht, mag sich an ihrer Kartoffel- und Weinlastigkeit ermessen lassen (in der Pfalz wird Wein als Dubbeschoppe in Halblitergläsern serviert), an der bräsigen, vom Aussitzen dominierten Kanzlerschaft Helmut Kohls (Karlheinz und der große, anderthalb Jahre ältere Nachbarsjunge müssen sich wenigstens vom Sehen gekannt haben, rechnet Hutter nach Straßenzügen und Schulzeiten aus), oder auch daran, daß seit Jahrzehnten die Einwohner einer Ludwigshafen nahen Gemeinde mit dem sprechenden Namen Haßloch der Konsumlobby als Testkaninchen dienen, deren Verhalten entscheidet, welche neuen Produkte Einzug in den gesamtdeutschen Alltag halten dürfen.

Das Werk ist trotz seiner anderthalb Jahrhunderte langen Geschichte arm an Anekdoten – die Anilinratten sollen groß wie Katzen sein (…). Vielleicht ist seine Macht zu drückend, um kleine Geschichten zu spinnen. Eine, die dennoch in allen möglichen Varianten an den Stammtischen erzählt wird, geht so: In einer Abteilung fällt auf, daß immer wieder größere Mengen Quecksilber verschwinden. Der Werkschutz wird verständigt. Am Tor werden Kontrollen durchgeführt. Ein Arbeiter schiebt sein Fahrrad, er hat die Tasche auf den Gepäckträger geschnallt, dem Ausgang entgegen. Die Tasche wird durchsucht – ohne Ergebnis. Dieser Vorgang wiederholt sich in den folgenden (…) Wochen ein ums andere Mal. Der Mann hat den Verdacht auf sich gezogen. Eines Tages kippt ihm, er hat die Kontrolle schon passiert, das Fahrrad um. Die Werkschützer beobachten entgeistert, wie er sich bemüht, das Gefährt wieder hoch zu wuchten; es geht nicht, das Rad ist einfach zu schwer. Der Dieb hat den ganzen Rahmen mit Quecksilber gefüllt.

Natürlich spielt „das Werk“ auch in Karlheinzens Leben eine entscheidende Rolle: der Vater arbeitete dort als Doktor der Chemie. Die ans Werksgelände grenzenden Straßen der Arbeiterkinder galt es für den Jungen aus besserem Hause zu meiden. Die väterliche Erwartung, der Sohn möge in seine Fußstapfen treten, wird Karlheinz zwar angehen, jedoch nicht erfüllen. Für die allgegenwärtige, ihm von Geburt an zugedachte BASF zu arbeiten vermeidet er: Enthaltsamkeit als aufmüpfiger Akt? Statt Karriere zu machen, führt Karlheinz ein etwas undurchschaubares, von eintönigen Zeugnissen markiertes Leben: Ereignislosigkeit, die er von klein auf akribisch in Kalendern notiert: eine Akribie, auf die auch der Autor beim Erschließen der karlheinzschen Notizen verfällt, bis er unmerklich und nie ohne Widerwillen beginnt, das Leben des zur Kunstfigur erkorenen Verstorbenen in zaghaften Ausschnitten nachzuleben. Um derartige Vorgänge erträglich zu gestalten, muß Distanz zum Sujet gehalten werden (Zeugenbefragungen werden vermieden, sie könnten die Karlheinz-Ikone demolieren); dann wieder macht Hutter seine Leser zu Komplizen, indem er sie in bester Arbeitermanier euchzt und ihrzt; der nachgelassene Krempel, der seine Wohnung verstopft, wird zu Performance-Material umgedeutet:

Als ich zu sprechen beginne, zerstöre ich das demokratische Element. Meine Haltung ist bereits festgelegt. Ich beobachte längst meine Gäste. Ich beäuge argwöhnisch die Männer, die allein unterwegs sind. Hinter einer konventionellen Maske verbergen sie nicht unbedingt sympathische Schrullen. Der ist wegen Nichtigkeiten in bittere Grabenkämpfe mit seinen Nachbarn verstrickt. Der fliegt alleine nach Südostasien. Karlheinzige Typen. „Du bist Karlheinz!“
(…) Ich überbetone die endlosen Wiederholungen in seinen Aufzeichnungen und erzähle die Geschichte von den Gurken aus Oggersheim. Schildere, wie es der Familie im vorletzten Kriegsjahr gelingt, eine Ladung Gurken zu organisieren. Wie die Gurken im Wäschekorb über Bahnsteige geschleppt und zur Nahrungsergänzung mit in den Urlaub geschafft werden. Wie Karlheinz über drei lange Wochen täglich notiert: „abends Gurken.“

Trotz aller Ereignisloskeit, die Leserschaft weiß das von Beginn an, steuert Karlheinz auf die Katastrofe zu. Die Frage, worin sie bestehen mag, erzeugt Spannung über den zur Schau gestellten Banalitäten („bedaure, daß ich euch gelangweilt habe“). Die Lektüre erinnert mich an Jugendgefährten, die verrückt geworden sind, verschollen, an Drogen, Unfällen oder Unlust gestorben. Wieviele von uns brechen vor der Zeit weg? Was macht ein Leben aus? Wenn Rolf Dieter Brinkmann in Rom, Blicke seine Einkaufszettel publiziert, strahlt das Wut aus. Wenn Billy Hutter Karlheinzens in etwa zur gleichen Zeit angesammelten Café-Rechnungen publiziert, spricht das von Bodenständigkeit. Zwei Seiten des Spießertums, das in Karlheinzens Person nicht nur erwartbare Facetten entfaltet: die extreme Bindung ans Elternhaus, zugleich der Haß auf die verheiratete Schwester, die Unfähigkeit zur Partnerschaft, versteckte Sexualität, unbeholfene Betrugsversuche und resultierende Gerichtsverfahren, ein „sensationeller Verschleiß an Regenmänteln“, der späte Karlheinz womöglich gar – wie praktisch jede Deutung im Buch trotz Kubikmetern gewissenhaft ausgewerteten Nachlaßmaterials unbewiesene Spekulation – eine Existenz als Ludwigshafener Original: der Mann (mehr ein Schemen) mit der braunen Einkaufstüte, der sich bei den Eingängen der Kaufhäuser und den Bekanntmachungen der Banken aufhält. Jeder Anflug von Skurrilität enthält bei Karlheinz zugleich Hilflosigkeit, Manie und die fiese Befremdnis bürgerlichen Mainstreams. Beim Lesen klingt mir ständig der schleppende Ludwigshafener Dialekt im Ohr, dieweil Hutter in Karlheinz die Existenz in ihrer äußersten Schlichtheit sich Bahn brechen läßt, eine überaus flache, jederzeit absturzgefährdete Kurve beschreibend: das vieltausendfach ungekannt gelebte Leben des Helden, von dem sein Nachempf- wie  -erfinder schreibt, daß er ihm persönlich lieber nicht habe begegnen wollen – und tatsächlich löst es Schauder aus, wenn Hutter über ein Ludwigshafener Hallenbad räsoniert: Karlheinz und der Autor hätten womöglich im selben Wasser geschwommen. So traurig und erfunden alles an Karlheinz wirkt, ist es das wahrste und beeindruckendste Buch, das ich dieses Jahr bisher gelesen habe.

Ich schlage vor, ihm ein Denkmal zu setzen. Das ist ein durch und durch seriöser und ernstgemeinter, ein nicht-literarischer Vorschlag. (…) Die offizielle kulturelle Praxis unserer Stadt setzt auf das Konstruktive und das Kybernetische. Im Gegensatz dazu wird das Karlheinz-Monument, das wir unten am Rheinufer errichten, eine Mischung aus den Objekten Duane Hansons und Claes Oldenburgs werden und in farbigem Polyester oder einem vergleichbaren künstlichen Material gehalten sein; kolossal jedenfalls, da darf nicht gekleckert werden. (…) Ein Monument der Mittelmäßigkeit und der Einsamkeit wird es werden, aber ebenso ein großartiges, ein größenwahnsinniges Ding, ein Wal, ein Heidelberger Faß, das zu Abbremsungen auf den Brücken führen wird. Am Fuß des Denkmals treffen sich Verliebte. Hier werden Hochzeitsfotos gemacht. Hierhin führt das Vorstandsmitglied die chinesische Delegation. Ein touristischer Magnet wird das Denkmal sein. Nach Ludwigshafen, um Karlheinz zu sehen!

Billy Hutter: Karlheinz, Metrolit-Verlag, Berlin 2015, 224 Seiten, 14,6 x 22 cm, gebunden, 25 Euro

***

(1) Zur weiterbildenden Lektüre empfehle ich das Gedicht Kleineleutechronik von HEL
(2) Anfang der 90er arbeitete ich einige Zeit wie Billy Hutter als Entrümpler und Möbelpacker in einem sozialistisch organisierten Kollektiv, ein Sammelbecken für Linksintellektuelle: nicht selten bugsierte ich damals Hand in Hand mit einem Doktor der Philosophie, der über Hegel promoviert hatte, Schränke und Waschmaschinen durch Düsseldorfer Treppenhäuser und fragte mich, wieviele Bücher dereinst einmal von Mitgliedern dieses handfesten Kollektivs verfaßt worden sein würden.

Mit freundlichen Grüßen

gummibaumRarität: Handsignierter Gummibaum aus dem Jahr 1969. Ein Geschenk von Maria Paffenholz zum Erhalt des Brinkmann-Stipendiums 2001.

Der Literaturwissenschaftler Roberto Di Bella hat mir für sein sehr empfehlenswertes Rolf Dieter Brinkmann-Portal Das wild gefleckte Panorama eines anderen Traums vier Fragen zu meiner Brinkmann-Wahrnehmung gestellt. Die Antworten sind jetzt hier zu finden und reihen sich in die Erinnerungen von Freunden, Wegbegleitern und Kollegen des Kölner Autors, darunter weitere Brinkmann-Stipendiaten (Dieter Gräf, Adrian Kasnitz, Christoph Wenzel, Julia Trompeter, Dorian Steinhoff). Di Bellas Portal bietet neben zahlreichen Materialien zum Werk des Autors und seiner Rezeption eine ganze Reihe Veranstaltungstipps zum Brinkmann-Jahr 2015, die sich vor allem diesen Monat häufen, denn am 16. April vor 75 Jahren kam Rolf Dieter Brinkmann in Vechta zur Welt, am 23. April vor 40 Jahren starb er in London vor dem Pub The Shakespeare bei einem Verkehrsunfall.

Hinweisen möchte ich in diesem Zusammenhang desweiteren auf O-Töne Brinkmanns, Audiodateien, die Martin Knepper in seinem Youtube-Kanal eingestellt hat, darunter Fratzen in der Straßenbahn, eine bemerkenswerte Haßtirade gegen Köln.

Nie ankommen – Jens Hagens Köln-Poem

Jens Hagen habe ich 2001 am Rande der Versammlungen der Rheinischen Brigade, einer grandios gescheiterten Literatengruppierung, die den Autor als politisch handelndes Subjekt reetablieren wollte, kennengelernt. Nach den Versammlungen im Literaturhaus setzte sich ein kleinerer Kreis zu Lena, einer in Köln legendären Wirtin, ab. Dort bestellte Jens, der damals bereits gesundheitlich angeschlagen war, freudig den berühmten Taxiteller, verkündete mir seinen Leitsatz „Niemand unter mir, niemand über mir“, erzählte, daß er 20 Jahre zuvor mein Vorgänger als Brinkmann-Stipendiat gewesen sei, nur daß das Stipendium seinerzeit noch nicht Brinkmanns Namen trug, und wie er einst mit den Jungs von Pink Floyd und anderen Rockgrößen abhing, die er als Szenefotograf kennengelernt hatte. Eine Anekdote aus den Sixties-Seventies jagte die nächste, ich konnte gar nicht alles aufnehmen, was Jens zu erzählen hatte. Wir begegneten uns nur zwei-, dreimal. Von Kollegen hörte ich, es ginge ihm zunehmend schlechter. 2004 kam die Todesnachricht. 2005 arrangierte seine langjährige Lebensgefährtin Dorothee Joachim im Kölner Stadtarchiv die Jens Hagen-Retrospektive Heute bin ich wieder Störer, bei der ich, neben anderen Kollegen von der Rheinischen Brigade, einige seiner Texte vortrug.

Vergangenes Jahr hat nun der Sprungturm Verlag Jens Hagens Köln-Poem Nie ankommen herausgegeben, ein geschmackvoll schlicht gestaltetes Buch, dem eine CD mit vom Autor eingesprochenen Gesamttext beiliegt – für lyrische Publikationen eine gute, beinahe schon zwingende Idee.

nie ankommen

Das erzählerische Langgedicht ist in vier eigenständig lesbare Teile gegliedert. Der erste davon, Dann geh ich mit Picasso in den Park, läßt sich als Grundanstrich betrachten. Mit Köln hat er leidlich wenig zu schaffen, scheint vielmehr überwiegend in Frankreich angesiedelt, zumindest tauchen als konkrete Ortsangaben einzig ein Kernkraftwerk an der Loire, der Boulevard périphérique und das Meer bei Trévignon auf. Auch das Personal verweist zu Teilen auf den südwestlichen Nachbarn, der immerhin 20 Jahre lang (von 1794 bis 1814) die Kölner Geschicke bestimmte: neben diversen Rock- und Jazzgrößen, Till Eulenspiegel und Richard Wagner, Brutus und General Custer tauchen die drei Musketiere samt d’Artagnan, Arthur Rimbaud, Victor Hugo und der Enkel von François Villon auf. Es könnte sich bei diesem Auftakt um einen Traum handeln, der Geschichten und Geschichte durcheinanderwirft und auf die einsetzende Postmoderne verweist, einen raschen Irrlauf durch einen Hippie-Bezugspunkteparcours, in dem die apokalyptischen Reiter in Limousinen vorfahren, ein für den Entstehungszeitraum typischer Bewußtseinsstrom, der das Fegefeuer, Werbeplakate, Betonterrassen, Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizisten, Motocrossmaschinen, Liveauftritte bei der Fernsehfasenacht, strahlende Substanzen und bekannte Songzeilen der Beat-Ära mit sich reißt, durcheinanderwirbelt und wieder ausblendet, um schließlich den Vorhang zu lichten für den zweiten Teil:

Fragmente vom Rudolfplatz. Der Platz mit der Hahnentorburg, an der berüchtigten Ringstraße gelegen, zugleich Knotenpunkt für über- und unterirdische Stadtbahnlinien steht für das Abenteuer Großstadt, Autos gegen Menschen, Wasserwerfer gegen Demonstranten, erotisch geladene Straßenszenen. Wieder blendet Jens Hagen geschichtliche Epochen übereinander: Mittelalter, preußische Herrschaft, Drittes Reich, das 1960er-Ganovenmilieu an den Ringen und die studentischen Feminismusdebatten der 80er-Jahre. Das Personal besteht nun aus Gestalten des Kölner Stadtgedächtnisses: Die heilige Ursula, Albertus Magnus, Stephan Lochner, Thomas von Aquin, Jacques Offenbach, Orgels-Palm und Rolf Dieter Brinkmann tauchen auf, Jens Hagens Freund, der Straßenmaler und Musiker Manni Löhe, geleitet „im sozialen Netz von Schnaps und schalem Biergeruch“ als kölnisiertes Mischwesen zwischen Dantes Vergil und dem Rattenfänger von Hameln tanzend und flötend durch die Assoziationsstränge. Der Rhein erreicht den Platz in selbstbezüglicher Karnevalsverkleidung („Am Rhein nur / Tschingpeng / Rrammtamm / Geborrrarängtschingwummplängsein…“) und verliert sich im umgebenden Ambiente des Gemüsemarkts, der Kaufhäuser, Spielhallen, Nachtbars. Heißes Pflaster Köln hieß ein Film Ernst Hofbauers von 1967 über die Kriminellenszene an den Ringen. Direkt diesem Film entsprungen scheint Hagens Rudolfplatz-Protagonistin Pretty Woman, eine Prostituierte, die ihre Einnahmen an Zuhälter abliefert und Schläge kassiert, um erneut übers Pflaster zu stöckeln. Das tausendjährige Kölle präsentiert sich als mosaikartiges, aus durcheinandergewürfelten Momentaufnahmen diverser Asfaltwahrheiten bestehendes, von Zitaten Jim Morrisons oder der Rolling Stones durchsetztes Fresko, zusammengestaucht aus Spiegelbildern innerer Filme, einem Hechtsprung in die Hinterlassenschaften der Kallendresser oder dem sonnenbeschienenen Totentanz eines handelsüblichen Nachmittags.

Teil 3, City Poem, entfaltet sich in einer Klammer aus Haikus über den abendlichen und morgendlichen Rhein. Radiosounds, gewiß aus dem WDR-Programm, Liedfetzen und Nachrichtenschnipsel erklingen, das Geraune geht über in typisches Alltagsgeschehen der Innenstadt, ein von kleinen Leuten bevölkertes Panorama mit Currywurst-Aroma und seitlichen Einflüsterungen: „Wollen wir fernsehen? / MTV bei C&A / Auf sechzehn Monitoren?“ Der Text widmet sich den wandelnden Massen der Fußgängerzone und Altstadt, lupt auf einzelne Passanten und ihre Hunde: „Dackel sind verrückt.“ Das Personal besteht nun aus anonymen Gestalten, Tieren und Verlierern: dem Schlurfer mit dem weißen Mantel, dem Einbeinigen, der immer Zigarettenstummel sucht, der Zwangsverschickerin vom Ausländeramt, einem durchtrainierten deutschen Oberunterfifi, dem Ratten- und dem Taubenpack, den Streifenbullen und Fisternöllchen, dem Yogi auf dem Warmluftschacht. „Gesellschaftskunde gucken“ heißt das in City Poem, wenn Börsenmeldungen, Protestsongs und Werbebotschaften auf Stadtflaneure treffen: „Am Tage sind die Straßen hier Vollstress / Aber nachts gehört die City unsereins“. Unter dem Kölner Pflaster liegen in Abwandlung eines berühmten Sponti-Spruchs das Breitbandkabel und Agrippinas, der Stadtmutter, Kanapee, auf dem sie mit wer weiß schon wem alles rumfummelte. Zwischenzeitlich geht der Gaul mit dem Dichter durch, sein Parlando gerät in Endreime oder den Sog des Rhythmus von Carl Perkins Blue Suede Shoes, um sich schließlich wieder zu beruhigen und auf leisen Sohlen in eine Chargesheimer-Ausstellung zu entführen, dessen Schwarzweißfotos das Kölnklischee maßgeblich prägten. Zum endgültigen Herunterkommen dient die Überquerung der Lebensader: „Die Brücke, morgens. / Nach langem Gehen hellwach, / Schau ich auf den Rhein.“

Zeitwärts, ufernah, der letzte Teil, ist bei fortgesetzter Plakativität der intensivste, spirituellste. Er handelt von Aufbruch-, Sehnsuchts- und Fluchtbestrebungen der Kriegs- und Nachkriegsgeborenen in eine bessere Welt wie sie in Liedern, Träumen, Geschichten, Kindheitserinnerungen, in der Nacht, im Rausch der „Säfte des Waswärewenn“ millionenfach vorkommt. Den Bombeneinschlägen entronnen, verlegt sich das Entkommenwollen auf das Nazinachfolgeland, es gilt der herrschenden normiert-numerierenden Spießigkeit, dem Versauern bei dumpfer Fabrikarbeit, dem Krieg in den Medien, dem Haste-was-biste-was-Denken, wichtigtuerischen Geschwafel und Einig-tschland-Wufftata, dem Karrierezwang Paroli zu bieten. Die Seitwärtszeituhr des Erfinders Stolk schlägt dem Erzähler den Takt und hilft ihm, in die Utopien fördernde Kindheit zurückzureisen: „Erforschten in Rinnsalen die Quellen des Nils, / Schossen Liebesperlen aus Pistolen“, der Rhein mutiert flugs zum Mississippi Huck Finns oder zu Stevenson’schen Schauplätzen: „An Wolkenrändern / Im Dunst überm Fluss schweben / Schatzinselmöwen.“ Den Sehnsüchten linker Jugendjahre verschnitten präsentiert das Gedicht deren gerechte Ergebnisse, Beispiele für inneren Wertewandel „vom Kreml ins Weiße Haus“, „von Al Fatah zum Muttertag“, „vom Schwarzen Block ins Blumenkästchen“, „von Dobermann auf Schäferhund“. Ob sich Glück mit einer Kurve nachzeichnen läßt? Nie ankommen oder: Ein Atheist im Kreuzgang sollte der vierte Teil ursprünglich heißen, in dem der Fluß für die Möglichkeiten des Unmöglichen auch noch im Jetzt das Bild liefert: „Am Rhein hier weit weg / Der Schiffe Tuckern erzählt / Von allem und nichts“

Nie ankommen ist ein lyrisches Konzeptalbum mit vier Longsongs im Sound der 70er-Jahre. Bei der ersten Lektüre habe ich die Verse in Zimmerlautstärke skandiert, das Schriftbild forderte dazu auf: Klanglichkeit und Rhythmus stellen tragende Komponenten der Textkomposition vor. Jens Hagens Vortrag auf CD wirkt bei den ersten drei Teilen, die 1995 während einer Lesung in Studioqualität aufgezeichnet wurden, gelassen, beim letzten, einem Live-Mitschnitt von 2001, getrieben. Posthum habe ich Jens erstmals beim Gedichtvortrag gehört. Seine Worte sprechen von den Träumen einer Generation, die im Geflecht der Zeitalter längst von moderneren Trieben überwuchert werden, so wie in Nie ankommen rückblickend-vorausschauend „die Halbwertszeit der Mandelblüte“ berechnet wird, deren essentielle Eigenschaften in Schönheit, Kürze und Wiederkehr bestehen.

Jens Hagen: Nie ankommen. Köln Poem, Sprungturm Verlag, Köln, Hardcover, Leineneinband, 19 x 14 cm, 104 Seiten plus Audio-CD, 19.90 Euro, ISBN: 978-3-9815061-8-1

Rotes Haus im Park

beuys dont cry

Wenn Theo Breuer sich lange nicht meldet, ist stark davon auszugehen, daß er über einem neuen Lyrikprojekt brütet. Just heute meldete er sich nach langer Zeit und wies unverzüglich auf einen Textanhang, der den Anlaß seines Schreibens erklären würde. Die angehängte Datei enthielt ein knapp 1000 Seiten zählendes Manuskript, benannt nach August Mackes Gemälde Rotes Haus im Park.

Breuers anthologische Sammlung Rotes Haus im Park orientiert sich am „Gemäldegedicht“ – der dichterischen Auseinandersetzung mit Künstlern, Kunsttechniken, Kunstwerken – und soll entlang dieses Leitfadens, wie er auf Nachfrage schreibt, „ein großes deutschsprachiges Gedichtbuch der Gegenwart“ vorstellen, sein „lebensbegleitendes work in progress“, das er „zwischendurch zum Druck freigeben“ werde, falls ein Verlag bereit sei, das Buch zu machen. Ob es zum (wünschenswerten) Printprodukt, dessen Grundlagen nun stünden, kommt oder nicht: Breuers Dateiungeheuer wird in der Szene kursieren und weiter wachsen, wie es innert Kurzem während unseres heutigen Austauschs geschah, als Theo mir gleich zwei Updates seines Konglomerats zukommen ließ.

Darin finden sich mein altes foto von lew jaschin in Schwarz-Weiß, meine brinkmanninduzierte genealogie in fleischfarbenem Licht und ein yveskleinblauer blick in den himmel in schönster Petersburger Hängung neben Werken von bisher rund 400 Dichtern über noch einmal knapp 400 Künstler, die Breuer im Prolog – ein selbständiger und demnächst in Konzepte erscheinender Essay namens „Der Augenblick kunstvoller Lyrik“ – in seinem assoziativen, gern von Hölzchen auf Stöckchen geratenden, selbstbeobachtend-subjektiven, zitatdurchflochtenen Stil ins Licht setzt. Immerhin, die vollgehängten Gedichtwände des Hauses im Park sind auf mehrere Räume verteilt, die Kapitelüberschriften lauten „Jetzt müssen Worte rollen“, „Ins Nirgends führt der verwaschene Weg“ oder „Sehr hoch oben“; die Raumordnung setzt die Dichter in alfabetische Reihenfolge von A bis Z wie in den Regalen öffentlicher Bibliotheken.

Daß ich hier ein Buch erwähne, das es nicht gibt, vielleicht nie geben wird, aber dennoch ohne allzu große Schwierigkeiten verfügbar ist, hat auch mit einem Aspekt zu tun, den ich bei erstem Überfliegen in der Anthologie allenfalls am Rande wiedergegeben finde: die Auseinandersetzung mit den elektronischen Möglichkeiten. Die gestaltende Kunst hat sich ihrer längst extensiv angenommen, die Dichtung wirkt in ihrer Adaptionsbereitschaft vergleichsweise altbacken. Das ist freilich nicht Breuer anzulasten. Seine weitschweifigen Erkundungen halten zahlreiche Schätze parat.

Rotes Haus im Park ist bei mir (auf dem Stand vom heutigen 17. März, 12 Uhr mittags), sowie beim Autor selbst (in der jeweils frischesten Version) per Mailanfrage als doc-Anhang erhältlich.

***

Mit Aus dem Hinterland hatte Theo Breuer bereits 2005 einen massiven Schmöker zur deutschsprachigen Gedichtproduktion um die Jahrtausendwende vorgelegt. In Kiesel & Kastanie (2008) bespricht er Lyrik- und Erzählbände, die nach der Jahrtausendwende erschienen sind. Mehr zu diesen und weiteren Titeln Breuers auf der Website der Edition YE.

Nachtrag, 25. März 2015
Wie der werte Kollege Crauss. meldet, hat er Theo Breuers Rotes Haus im Park auf Basis dieses Blogeintrags im Siegener Campusradio Radius 92,1 im Rahmen der Sendung Wort/ Über Wort vorgestellt.

Nachtrag, 01. November 2015
KUNO – Kulturnotizen zu Kunst, Musik und Posie haben diesen Text in leicht abgewandelter Form unter dem Titel Petersburger Hängung 2.0 übernommen.