MINI WELT: Möwengedichte auf Arabisch

wort für wort_dt-arabischer lyriksalonFünf Gedichte aus MINI WELT (Feuer, Freibad, Hemd, sowie zwei gleichlautend mit Die Möwe betitelte) hat Fouad El-Auwad für seine Anthologie Wort für Wort ausgewählt und ins Arabische übertragen. Die Anthologie begleitet den diesjährigen Deutsch-arabischen Lyriksalon mit Lesungs- und Musikabenden in Aachen und München.

„Verständigung und Versöhnung werden in einer Welt zunehmender Konfrontation immer wichtiger. Aufgrund ihrer Universalität und der Sinnlichkeit ihrer Metaphern ist die Sprache der Poesie in der Lage, einen lebendigen Dialog zwischen den Kulturen zu stiften. Der von dem deutschsprachigen, aus Syrien stammenden Dichter und bildenden Künstler Fouad EL-Auwad ins Leben gerufene und von ihm seit 2005 jährlich organisierte deutsch-arabische Lyrik-Salon soll ein Beispiel dafür sein. Er schafft die Möglichkeit Jahr für Jahr, dass sich die Kulturen auf literarischer Ebene begegnen und eine neue Brücke zwischen der arabischen und der europäischen Welt bauen.“

Mit Beiträgen von: Marwan Ali, Nouri Aljarrah, Michael Augustin, Patrick Beck, Fouad El-Auwad, Manfred Freude, Andrea Heuser, Khaleda Khalil, Stan Lafleur, Christoph Leisten, Anton G. Leitner, Undine Materni, Roland Merk, Jürgen Nendza, Àxel Sanjosé, Frank Schablewski, Ludwig Steinherr, Gerrit Wustmann und Kathy Zarnegin

Fouad El-Auwad (Hrsg.): Wort für Wort, Edition Lyrik-Salon spezial, Bonn 2017, 17.90 Euro, ISBN: 9783744883573

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Versnetze_zehn

versnetze_zehn
„Die „Versnetze“ sind auch ein Seismograph gesellschaftlicher Befindlichkeiten, etwa mit von ostdeutschen Schriftstellern verfassten Gedichten über die Nachwehen der Wiedervereinigung oder Erinnerungen an das Leben in der DDR. Und auch die unheilvolle Vergangenheit des Dritten Reiches mit seinem unmenschlichen Vernichtungsapparat beschäftigt die Autoren nach wie vor. Kein Wunder bei den rechtspopulistischen Entwicklungen in Deutschland und anderen Ländern Europas. In der jüngeren Vergangenheit und Gegenwart wird verstärkt die Situation der Flüchtlinge thematisiert. Zum weiteren inhaltlichen Spektrum gehören unter anderem die schöne neue Technik- und Medienwelt, Heimat ohne Heimattümelei, Natur, Kunst, Musik, Literatur und Zeit.“ (Herausgeber Axel Kutsch im Vorwort)

Am Konzept der Versnetze hat sich in der zehnten Ausgabe nichts geändert: nach Regionen geordnet versammelt die jährlich erscheinende Anthologie ausgewählte Dichterstimmen (hauptsächlich) aus Deutschland. Von mir sind mit Heimat und Feuer zwei Gedichte aus dem in diesem Frühjahr erschienenen Band MINI WELT enthalten.

Versnetze_zehn, Verlag Ralf Liebe, Weilerswist, 340 Seiten, 24 Euro, ISBN: 978-3-944566-71-9

Nachtrag, 05. Juli 2017
Eine erste Rezension der Anthologie ist bei Fixpoetry erschienen. Jonis Hartmann schreibt unter dem Titel #networking: „Tatsächlich erweist sich Kutsch als ein unerschrockener Zusammenbringer/ Vernetzer verschiedenster AutorInnen. Namen, die einem bisher kaum geläufig waren, die wenig publizieren oder in Erscheinung treten, sind „erfasst“. (…) Die Versnetze haben sich in jedem Fall von den meisten anderen Anthologien der letzten Zeit abgesetzt.“

MINI WELT: Resonanz aus Istrien

Das mehrsprachige Literaturmagazin ZiN Daily aus dem kroatischen Teil Istriens stellt MINI WELT mit seinem von Natalija Grgorinić und Ognjen Rađen mit Sabina Lacmanović ins Kroatische übertragenen Prolog vor, plus begleitender Worte zu diesem Text aus meiner Tastatur: hier nachzulesen.

MINI WELT bei WDR5 Bücher

„Aus dem Westen was Neues“ vermeldet Matthias Ehlers für die WDR5-Sendung Bücher das Erscheinen von MINI WELT: „Acht Möwengedichte erwarten den Leser auf den ersten Seiten, worauf es munter & kreuz & quer durch die gar nicht so kleine Miniwelt (…) geht. Da sind wir im Freibad, im Mykonos Grill, auf dem Land und am Fluß und wir lernen unsere Heimat kennen, „Wiesen und Waschbeton, von klein auf einander versprochen“. Lafleur schreibt pointiert, präzise, unaufdringlich und er legt Wert auf Sprechbarkeit seiner exakt im Gleichmaß durchkomponierten Gedichte.“
Für die Sendung wurde, kalendarisch passend, mein Gedicht Mai zum Vortrag ausgewählt.

MINI WELT

mini welt_cover_warmMein neuer Auswahlband, herausgegeben von Michael Serrer und Adrian Kasnitz, beinhaltet 28 Gedichte über die Möwe im Zeitalter ihrer technischen Reproduzier- und neoliberal geprägten Anpreisbarkeit, über heimatlichen Umgebungswandel und den Stand der Fortschritte zur Aufhebung der Klassengesellschaft. Geschrieben habe ich sie am Rhein, am Bosporus, auf meinem Mauenheimer Balkon und im Fernbus während langwieriger Polizeikontrollen an den innereuropäischen Grenzen. Die Bora, einer der stärksten Winde der Welt, half mit scharfböig vorgetragener, rüttelnder und jaulender Kritik beim Textschliff, als ich bei Zvona i Nari in Ližnjan als Artist in Residence zu Gast sein durfte.

Den Schwerpunkt des Bandes bildet das Eingangskapitel Möwen von Jetzt. Das Wesen des Vogels, eines der beliebtesten Motive der Dichtung, befindet sich im Wandel. Bereits vor 280 Jahren hatte der französische Ingenieur Jacques de Vaucanson eine hochkomplexe automatische Ente gebaut, die trinken, essen, mit den Flügeln flattern, schnattern, paddeln und sogar verdauen konnte, ein mechanisches Wunderwerk, das seinen Schöpfer berühmt machte. Diesem flugunfähigen canard digérateur folgten diverse Ornithopter: mechanische Vögel mit Schlagapparat und/oder Gleitfähigkeiten, angetrieben von Pressluft, Kohlensäure oder Revolverpatronen. Einen solchen künstlichen Vogel sah ich erstmals 2012 in Istanbul den Galataturm im Flug umrunden. Angetrieben von einem Gummimotor hielt er sich gute zehn Sekunden in der Luft und vollführte erstaunliche Kapriolen. Wo er flog, flogen auch biologische Spatzen, Tauben und Möwen. Die Bausätze, die es um sehr kleines Geld zu erstehen gab, hatten aus Fernost an diesen historisch belasteten Ort der Aeronautik gefunden. Bereits ein Jahr zuvor hatte der schwäbische Automatisierungsbetrieb Festo den SmartBird entwickelt, einen bionisch-elektronischen, der Silbermöwe nachempfundenen Vogel, und für sich in Anspruch genommen, den Vogelflug technisch entschlüsselt zu haben. Ungefähr zur gleichen Zeit lernte ich in einem Workshop bei Hannes Hoelzl wie handelsübliche Alarmanlagen zu Singvögeln umgelötet werden können – seither ist mein Gehör für artifizielle Vögel im öffentlichen Raum sensibilisiert: die Eroberung unserer Umwelt durch künstliche Vögel, die in der Dichtung bisher nicht sonderlich auffällig wurden, hat bereits vor einem Vierteljahrtausend begonnen.

Die übrigen Kapitel handeln von Umgebungen, die der neue Supervogel mit seinen Kameraaugen aufnehmen und für un/bestimmte Zwecke abspeichern könnte: Zeugnisse sich ausbeulender Zeit- und Gesellschaftsmatrix, des Alles und Nichts – häufig aus in der Lyrik eher unterrepräsentierten Perspektiven auf den kleinbürgerlichen, proletarischen und randständigen Alltag.

Der Titel des Bandes, MINI WELT, sollte ursprünglich barockes Ausmaß erreichen, Inhalte, Entstehungsbedingungen und Förderer in einem über mehrere Zeilen mäandernden Satz inklusive Kommata und Punkt berücksichtigen, um aktuelle Produktionsvorgaben hiesiger Dichtung mit einer gefilterten Rückspiegelsicht auf feudale Bedingungen zu überblenden. Die Corporate Design-Vorgabe der Reihe ließ das nicht zu. Nun also MINI WELT – zum Minipreis von 5 Euro. Das sind knapp 18 Cent pro Gedicht, ein unverschämt günstiger Preis, der dadurch zustande kommen konnte, daß die Nyland-Stiftung Druck und Lektorat der Reihe subventioniert.

MINI WELT, Lyrik-Edition Rheinland, Edition Virgines, Düsseldorf 2017
32 Seiten, 14,5 x 21 cm, Taschenbuch, 5 Euro, ISBN: 978-3944011660