Das Gedicht

Das Gedicht 25

„Wo einerseits das „Christliche Abendland“ mit haarsträubenden Verrenkungen beschworen wird, die zum Himmel schreien, und andererseits der Islam und das damit verbundene Damoklesschwert „Islamismus“ als schiere Erklärungshostien verabreicht werden, wollten wir uns einer Dringlichkeit stellen, die uns eine Art Meditation ermöglichte. Wie reicht das alte Menschheitsthema des Religiösen ins Gedicht? Wohin spürt es nach (oder vor), wenn sich das Gedicht mit den Bedeutungshöfen einer Religion auseinandersetzt“, schreibt Mit-Herausgeber José Oliver im Editorial zur soeben erschienenen Jubiläumsausgabe von Das Gedicht, und fährt fort, dass die Herausgeber von allen Religionen tatsächlich nur eine, das Christentum, für diese Ausgabe sich zugetraut hätten.

Rund 150 Autoren zählen zu den Beiträgern und beleuchten das Christentum aus einer Vielzahl von Perspektiven. Die Kapitelordnung orientiert sich an den sieben Todsünden, aufgelockert um Kinderspecial (Ogottogott, Keksgebet) und Essayabteilung. Die Gedichtinhalte reichen von Allegorien der Verdammnis und über tropfenden Wasserhähnen wachenden Heiligen hin zu Kommunionskleidschleifen an Löffelsonntagen, plattdeutschen Kirschblüten in Akama, Hirnströmen als Leuchtpunkte, Stalin und die Beatles hin zur Bibelfunktion als Untersetzer für wackelnde Tische. Von mir ist ein Selbstportrait mit Stubenfliegen enthalten.

Das Gedicht erscheint nunmehr im 25-sten Jahr in Folge als Zeitschrift in Buchstärke. Immer wieder begleitet von Skandälchen, Auszeichnungen und Debatten, handelt es sich um eine der auflagenstärksten und meistbeachteten Lyrikzeitschriften des deutschsprachigen Raums.

Begleitend zur diesjährigen Ausgabe findet sich auf dem Blog von Das Gedicht die Web-Anthologie Religion und Lyrik.

Das Gedicht. Herausgegeben von Anton G. Leitner und José F. A. Oliver, München 2017, 224 Seiten, 15 x 21 cm, Broschur, 14 Euro (kann hier direkt beim Verlag bestellt werden)

Advertisements