Versnetze_zehn

versnetze_zehn
„Die „Versnetze“ sind auch ein Seismograph gesellschaftlicher Befindlichkeiten, etwa mit von ostdeutschen Schriftstellern verfassten Gedichten über die Nachwehen der Wiedervereinigung oder Erinnerungen an das Leben in der DDR. Und auch die unheilvolle Vergangenheit des Dritten Reiches mit seinem unmenschlichen Vernichtungsapparat beschäftigt die Autoren nach wie vor. Kein Wunder bei den rechtspopulistischen Entwicklungen in Deutschland und anderen Ländern Europas. In der jüngeren Vergangenheit und Gegenwart wird verstärkt die Situation der Flüchtlinge thematisiert. Zum weiteren inhaltlichen Spektrum gehören unter anderem die schöne neue Technik- und Medienwelt, Heimat ohne Heimattümelei, Natur, Kunst, Musik, Literatur und Zeit.“ (Herausgeber Axel Kutsch im Vorwort)

Am Konzept der Versnetze hat sich in der zehnten Ausgabe nichts geändert: nach Regionen geordnet versammelt die jährlich erscheinende Anthologie ausgewählte Dichterstimmen (hauptsächlich) aus Deutschland. Von mir sind mit Heimat und Feuer zwei Gedichte aus dem in diesem Frühjahr erschienenen Band MINI WELT enthalten.

Versnetze_zehn, Verlag Ralf Liebe, Weilerswist, 340 Seiten, 24 Euro, ISBN: 978-3-944566-71-9

Nachtrag, 05. Juli 2017
Eine erste Rezension der Anthologie ist bei Fixpoetry erschienen. Jonis Hartmann schreibt unter dem Titel #networking: „Tatsächlich erweist sich Kutsch als ein unerschrockener Zusammenbringer/ Vernetzer verschiedenster AutorInnen. Namen, die einem bisher kaum geläufig waren, die wenig publizieren oder in Erscheinung treten, sind „erfasst“. (…) Die Versnetze haben sich in jedem Fall von den meisten anderen Anthologien der letzten Zeit abgesetzt.“

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Heimat

heimat_reclam 2017„Heimat – was ist das eigentlich? Die Orte der Kindheit, die Sprache, die man spricht, kulturelle Besonderheiten der Region, aus der man kommt – oder nur eine Projektionsfläche für (meist) melancholische Gefühle? Auf jeden Fall ist Heimat etwas sehr Individuelles. (…) Anton G. Leitner, Lyriker, Herausgeber der Zeitschrift »Das Gedicht« und wirkungsmächtigster Propagator der Lyrik hierzulande, hat aus der Fülle neuer und neuester Gedichte seine Best-of-Auswahl getroffen, die er mit »klassischer« Lyrik von Goethe, Ringelnatz, Tucholsky und vielen anderen in eine spannende Beziehung bringt.“ (Aus dem Verlagsinfo)

Von mir ist die Jägerzaunsonate dabei. Hier geht’s zur kompletten AutorInnenliste plus Bestellmöglichkeit ab Verlag.

Heimat. Gedichte, Hrsg.: Anton G. Leitner, Reclam, Stuttgart 2017
96 Seiten, Gebunden, Format: 9,6 x 15,2 cm, 10 Euro, ISBN: 978-3-15-011099-7

Das Gedicht

das-gedicht-24„Das Thema Heimat ist in den letzten Monaten in der gesellschaftlichen und politischen Agenda ganz nach oben gerückt, weil derzeit Millionen von Menschen auf der Welt ihr Zuhause verlieren und sich auf ihrer Flucht nach Europa nicht mehr so einfach aufhalten lassen. Über soziale Netzwerke haben sie vorab eine Ahnung davon bekommen, dass hier ein Neuanfang in Frieden und Sicherheit möglich sein könnte. Wenn auf einmal so viele Leute bei uns Schutz suchen, offenbaren Hiesige ihr wahres Gesicht, im Guten wie im Bösen. Die einen wachsen als Helfer voller Empathie über sich hinaus, andere artikulieren lautstark ihre Angst und Panik vor allem, was ihnen fremd erscheint und ihren eigenen Wohlstand gefährden könnte, den sie nicht teilen wollen“, beginnt Herausgeber Anton G. Leitner sein Vorwort zur soeben erschienenen Ausgabe von Das Gedicht mit dem Motto Der Heimat auf den Versen, das gut 100 AutorInnen mit Gedichten zum auch unabhängig von Migrationsperioden ständig aktuellen Heimatkomplex versammelt.

Von Auswirkungen dieser gerade stattfindenden ersten großen Fluchtbewegungen in Richtung Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg sprechen diese Gedichte, die neben dem Herausgeber diesmal Fitzgerald Kusz auswählte, allerdings so gut wie nicht. Häufiger schon von unseren Eltern und Großeltern, von denen viele, als das Dritte Reich zusammenbrach, auf der Flucht vor den Folgen der Kriegsniederlage aus dem Osten in die deutschen Kerngebiete gekommen waren. Die lyrisch verhandelte Heimat wird desweiteren gesucht, wo immer sie zu finden ist: in Dialekten und Kindheitserinnerungen, in Illusionen und Industriegebieten, in der Liebe und nicht zuletzt in der Fremde.

Das Gedicht erscheint nunmehr seit 24 Jahren jährlich als Zeitschrift in Buchstärke, in Intervallen begleitet von Skandälchen, Auszeichnungen und Debatten. Seither handelt es sich um eine der auflagenstärksten und meistbeachteten Lyrikzeitschriften des deutschsprachigen Raums. Die Namen der diesjährigen AutorInnen finden sich unter den hier im Text angegebenen Links, von mir ist die Jägerzaunsonate enthalten.

Begleitend zur diesjährigen Ausgabe findet sich auf dem Blog von Das Gedicht die bis zum kommenden Sommer um wöchentlich zwei Gedichte fortschreitende Web-Anthologie Versheimat.

Das Gedicht. Herausgegeben von Fitzgerald Kusz und Anton G. Leitner, München 2016, 160 Seiten, 15 x 21 cm, Broschur, 12.50 Euro