(Ich als) Teil eines Gedichts von Clemens Schittko

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Jürgen Born und Butch Olderman sind jetzt Freunde.
Kassandra Lewicka hat ihren eigenen Status kommentiert:
„Bleiben die Toten das? Immer?…“
Steve C. Ellard gefällt Ulrich Specks Link.
Steve C. Ellard gefällt World Jewish Congress Foto.
Stan Lafleur gefällt Literaturatelier Köln.
Hellmuth Opitz hat Anton G. Leitners Status kommentiert:
„Diese Dame mit Spottversen zu…“
Jürgen Born hat taz. die tageszeitungs Link kommentiert:
„BRAVO“““!!!“
Jürgen Born gefällt taz. die tageszeitungs Link.
Kassandra Lewicka gefällt IWM – Institut für die Wissenschaften vom Menschens Link.
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Oben ein Ausschnitt des erst jetzt von mir entdeckten Gedichts NSA-Stück vom 04.10.2013 von Clemens Schittko, das hier in voller Länge verfügbar ist. Der Text simuliert die Überwachung der Facebook-Klientel durch die Firma und Geheimdienste als arrangierte Mitschrift und verweist dadurch auf Manipulationsmöglichkeiten wie auch auf die Banalität der Kommunikation von Literaten in sozialen Netzwerken.

Das Gedicht erinnerte mich sogleich an Äußerungen des Filosofen Byung-Chul Han in einem Interview mit der ZEIT aus dem Jahr 2014, in dem Han das Glatte und Gefällige an den neuen Medien und in den zeitgenössischen Künsten als deren maßgebliche Eigenschaften betrachtet und den Begriff des digitalen Feudalismus einbringt: „(…) von der Struktur unterscheidet sich diese Gesellschaft nicht vom Feudalismus des Mittelalters. Wir befinden uns in einer Leibeigenschaft. Die digitalen Feudalherren wie Facebook geben uns Land, sagen: Beackert es, ihr bekommt es kostenlos. Und wir beackern es wie verrückt, dieses Land. Am Ende kommen die Lehnsherren und holen die Ernte. Das ist eine Ausbeutung der Kommunikation. Wir kommunizieren miteinander, und wir fühlen uns dabei frei. Die Lehnsherren schlagen Kapital aus dieser Kommunikation. Und Geheimdienste überwachen sie. Dieses System ist extrem effizient. Es gibt keinen Protest dagegen, weil wir in einem System leben, das die Freiheit ausbeutet.“

Unter blauem Himmel versprachen die Wahlplakate blauen Himmel

das Fleisch an den Haken der Metzgerstände am Markt schimmerte in den Nationalfarben
von Fliegen bekrochen surrte der Anblick eines vergitterten Kiosks als Fenster zur Volksseele
„lade mein Handy noch einmal auf mir sind nun die richtigen Worte in den Sinn gekommen“
die Losverkäuferin drüben an der Kreuzung brach einfach weg in schlagartigen Mittagsschlaf
ganz langsam rollten wie Geisterschiffe die Busse durch die Gebäude aus Spiegelglas
sehr intensiv durchdrang Werbung für abstrakte Begriffe den urbanen Raum: Freiheit
„wir sollten dringend lernen die Dritte Welt als Prequel zur Ersten Welt zu begreifen“
ein Mann im grauen Anzug sprach wie zufällig ein Opfer an andere brüllten in Megafone
die Menge auf der Straße verfolgte Ziele wie das Aufschlagen und Leertrinken einer Kokosnuß
in den Häusern auf den Straßen selbst noch im Traum schien Sterben ein gutes Geschäft
das Lob der Toten allerdings mußte warten bis feststand daß sie tatsächlich hinüber waren

The Möwement is not dead

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Die Frage, ob in Istanbul mehr Menschen oder Möwen wohnen, dürfte schwer zu beantworten sein. Auf bildnerischen Darstellungen der Stadtsilhouette finden sich stets auch Möwen am Himmel. Die Möwen symbolisieren gleichzeitig elegante Gedankenflüge und die Idee der Freiheit, wie auf der anderen Seite Heimatverhaftung und Gewöhnung an fütternde Hände: „Hinter der hingeworfnen Fritte / endet für heute die Freiheit“ findet sich eine lyrische Parole der #şiirheryerde-Bewegung gleich bei der Cihangir Cami, einem wunderbar ruhigen Rückzugsort mit grandiosem Bosporusblick. Im Innenhof der kleinen Moschee ist, von Gesträuch verdeckt, im Übrigen eine Möwenschleuder in Betrieb, die alle paar Minuten neue Scharen in den Himmel katapultiert.