STILL

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Durch einen verirrten Oktoberregen laufe ich zur Post und hole die Sendungen ab, die der Briefträger nicht abzuliefern gewillt ist. Darunter die neue, fünfte Ausgabe der auf den ersten Blick vermittels leichtem Überformat auffälligen Berlin-New Yorker Zeitschrift STILL.

„STILL is an independent magazine featuring inventive writing and photography,“ heißt es in der Selbstbeschreibung, „the artists published by the magazine challenge creative conventions in form or content and include an eclectic range of creators working in fiction, nonfiction, poetry, essays, translations, and fine art photography.“

Die wechselnden Text- und Bildsektionen der aktuellen Ausgabe erzeugen eine Komposition mit globalistischer Anmutung. Ein Teil der Texte findet sich aus dem Deutschen ins Englische übertragen oder umgekehrt. Zu entdecken sind neben einem Loreley-Text von Friederike Mayröcker, dem schönen Backcover-Gedicht von Sirka Elspaß, das direkt zweisprachig verfaßt wurde oder dem fotografischen Tagebuch von Lotte Reimann unter anderem auch zwei meiner guatemaltekischen Gedichte (englische Versionen: Jake Schneider).

AutorInnen: Ines Berwing, Daniela Danz, Petra Feigl, Forrest Gander, Kenneth Goldsmith, Axel Görlach, Sascha Hargesheimer, Andreas Hutt, Jan Imgrund, Mathias Jeschke, Pablo Katchadijan, Sascha Kokot, Stan Lafleur, Michael Lowenthal, Friederike Mayröcker, Sudabeh Mohafez, Jonas Mölzer, Filip Noterdaeme, Sandra Santana, Mercedes Spannagel, Andreas Thamm, Jordan Valentine Tucker, Uljana Wolf

FotografInnen: Alexander Anufriev, Miia Autio, Diego Ballestrasse, Tobias Faisst, Johannes Heinke, Kani Marouf, Anne-Lena Michel, Lotte Reimann, Daniel Terna

STILL 5 (Berlin Edition), 108 Seiten, 23×31 cm, Klebebindung, Berlin/New York 2017
Auflage: 400, 15 Euro

fugitive beauty

fugitive beauty
Das neue und soeben erschienene Magazin des amerikanischen Künstlers Lee Baumgarten beschäftigt sich mit den Themen Diaspora, Migration und flüchtige Schönheit. Die internationale Kompilation versammelt Künstler aus neun Nationen. Eine meiner guatemaltekischen Fotoarbeiten plus Begleittext findet sich auf Seite 21.

Das Magazin im elektronischen FlipBook-Format kann wie eine Website abgerufen werden.

Mit Beiträgen von: Ráed Al-Rawi (Irak), Nico Amortegui (Kolumbien), Case Baumgarten (USA), Vlado Franjević (Kroatien/Liechtenstein), Stan Lafleur (Deutschland), Phillip Larrimore (USA), Pedro Lobo (Portugal), Steven Lyons (USA), Kenny Nguyen (Vietnam), Tina Roozbehi (Iran), Hanna Tadrous Girgis (Ägypten) und Denise Torrance (USA).

Tag an der Küste

promenade

die ganze Wahrheit über das Meer würde ich nie ertragen
geheimnisvolle Fischkreise im Gezeitenbereich gezeichnet
von Kameras die Ausschnitte meines Lebens parafrasieren

zwischen den Hotelblöcken überwintert die kleine Kapelle
Unserer Lieben Dame der Zementsäcke in Ochsenblut
früher kannte ich Kinder die waren in Gebeten eingesperrt

gegenüber windverwehten Horizonten und unter Einfluss
der Shopping-Musik setze ich mich neu zusammen wie
ein kubistisches Programm mit gedämpftem Grundimpuls

in tausenden Hotelfenstern spiegelt sich die Endlosigkeit
ich sehe nicht die Möwen sondern die möglichen Möwen
in Acryl lauernde Smartbirds auf Imbisswagenrückwänden

Meerschaukel

Unter dem Titel Stan Lafleur’s Sea-Saw präsentiert ZiN Daily – das neue Magazin von Natalija Grgorinić und Ognjen Rađen – drei meiner istrischen Fotografien: Wasser, das nicht mehr als Fluß, sondern Meer, oder vielleicht als Fluß, der bereits Meer ist, bzw. Meer, das noch Fluß ist, fungiert.

ZiN Daily stellt in kurzen Portraits internationale Literatur- und Kunstschaffende vor, die in der Residenz Zvona i Nari zu Gast waren. In der noch jungen Reihe finden sich bisher vor allem Bildwerke und ins Englische übersetzte zeitgenössische kroatische Dichtung.

Der Greif

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Titelloses Bild von Maria Mavropoulou (Athen 2016)

Soeben erschienen ist die neunte Ausgabe von DER GREIF, einem Magazin für zeitgenössische Fotografie und Literatur mit Schwerpunkt Fotografie. Das neue Heft „zeigt eine poetische, eigenartige Mischung aus Fotografie und Literatur mit ungeraden Verdrehungen“, heißt es in der Eigendarstellung und weiter:

„Künstlerisches Herzstück und Ursprung des Projektes ist das gedruckte und werbefreie Magazin. Hier werden die Arbeiten von Fotografen und Autoren unterschiedlichster Herkunft in einem Gesamtwerk kombiniert und präsentiert. Die Webseite ist Ausstellungs-, Kommunikations- und Informationsplattform für Teilnehmer und Interessenten. Teilnehmende Künstler werden in „Artist-Features“ vorgestellt und posten auf dem Guest-Blog. Im „Guest Room“ kuratieren namhafte Persönlichkeiten aus der Fotografie-Welt eingereichte Fotografien. DER GREIF verbindet digitale und analoge Inhalte auf einzigartige Weise, er erforscht und erweitert die Grenzen des Publikationswesens im digitalen Zeitalter. Seit seiner Gründung 2008 setzt sich das Projekt mit zeitgenössischen Themen wie der Wahrnehmung von Autorenschaft, De- und Rekontextualisierung von einzelnen fotografischen Bildern sowie dem künstlerischem Umgang mit fotografischen Archiven auseinander.“

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Anya Marchenkova: „Schwimmer“ (Jekaterinburg 2016)

In der aktuellen Ausgabe, die zeitgenössische Fotografie dezent mit kurzen Texten kombiniert, findet sich mein Gedicht Freibad auf einer Doppelseite mit u.a. den hier abgebildeten Fotos – die Redaktion schreibt, sie hätte unter rund 10.000 Werken von 3.000 Einsendern auszuwählen gehabt. Entstanden ist eine der schönsten Zeitschriften, zu denen ich in den vergangenen 30 Jahren beigetragen habe.

Die Release-Party findet am 07. Juli ab 21 Uhr im Rahmen der Rencontres d’Arles im Fotohaus Parisberlin in Arles statt.

Der Greif 9 zählt 100 Seiten (25 x 35 cm), ist bei einer 4000er Auflage manuell numeriert, kostet 15 Euro und ist unter dieser Adresse zu bestellen.