… immer steigend, kommt Ihr auf die Höhen

bergpässe

In der 266. Ausgabe der Zeitschrift die horen beschäftigen sich, herausgegeben von Andreas Erb und Christof Hamann, Kulturwissenschaftler, Essayisten, Lyriker und Prosaisten mit alpinen Verbindungswegen.

„Hochgelegene Regionen verbinden wir heute oftmals mit den Namen herausragender Berge, dem Matterhorn, dem Kilimandscharo, dem Mount Everest. Wurden die Gipfel lange Zeit als Orte des Zwiegesprächs zwischen Göttern und Menschen angesehen, so schufen die Pässe hingegen vielfältige Verbindungen zwischen den Menschen selbst.
Handelswege, Schmugglerwege, Kriegswege, Pilgerwege: Pässe bilden Einbuchtungen in den ansonsten nur schwer zu überquerenden Gebirgsriegeln. Sie sind Orte eines vielfältigen Verkehrs von Menschen, Tieren, Dingen, von Erlaubtem und Verbotenem, auch Möglichkeitsräume, an denen zukünftige Ereignisse zum Greifen nahe scheinen. Pässe stiften daher auch Ideen und Fantasien.“ (Aus dem Verlagsinfo.)

Von mir ist ein Text über die literarisch und filmisch häufig stark verfremdete Via Mala enthalten.

Weitere AutorInnen sind u.a.: Marcel Beyer, Iso Camartin, Oswald Egger, Péter Farkas, Joachim Geil, Franziska Gerstenberg, Guy Helminger, Silvio Huonder, Birgit Kempker, Birgit Kreipe, Tim Krohn, Volker Kutscher, Klaus Merz, Klaus Modick, Karl-Heinz Ott, Angelika Overath, Annette Pehnt, Marion Poschmann, Norbert Scheuer, Sabine Scho, Tom Schulz, Ulf Stolterfoth, Antje Rávic Strubel, Alain Claude Sulzer, Leo Tuor, Theresia Walser, Peter Wawerzinek und Miek Zwamborn.

… immer steigend, kommt Ihr auf die Höhen. Bergübergänge, herausgegeben von Andreas Erb und Christof Hamann in der Reihe: die horen. Zeitschrift für Literatur, Kunst und Kritik; Band 266, 62. Jahrgang, Wallstein Verlag, Göttingen 2017
240 Seiten, zum Teil farbige Abbildungen, Broschur, 14 Euro, ISBN: 978-3-8353-3038-2

Nachtrag, 26.07.2017
„Die gesammelten Grenzerfahrungen zeugen schon durch das auf den Schweizer St. Gotthard bezogene Motto aus Schillers Wilhelm Tell („… immer steigend, kommt Ihr auf die Höhen“) weniger von lebensgefährlichen Risikounternehmungen als von erhebenden, manchmal spirituellen Passagen zwischen dem Bekannten und dem Unbekannten – um Abenteuer der Wahrnehmung“, heißt es in einer ersten Rezension von Gregor Dotzauer für den Tagesspiegel unter dem Titel Im Meer der Berge.

Was Fussball macht – Zur Kultur unseres Lieblingsspiels

was fuss ball machtBei Steidl ist dieser Tage mit Was Fussball macht ein spartenübergreifend konzipiertes Fußballbuch erschienen, das u.a. eine feine Abhandlung über die deutschsprachige Fußballlyrik seit ihren Anfängen enthält. Aus dem Verlagsinfo:

„Wenn Politiker Bilanz ziehen, sprechen sie gern einmal von »Spielminute«, »Tor« und »Fußball«. Angela Merkel nannte sich selbst »Teamchefin«. Dass in jedem Zusammenhang von Fußball die Rede ist, überrascht uns nicht mehr: Ob in den Feuilletons, beim Börsenkurs, in der Medizin oder im Wahlkampf – es lässt sich kaum ein Bereich des gesellschaftlichen Lebens denken, der nicht mithilfe von »Abseits«, »Abpfiff«, »Eigentor« und »Foul« viel leichter zu erklären wäre. Wie kommt es, dass Fußball so vieles umfasst und kulturell, ökonomisch, politisch, sogar philosophisch umgedeutet werden kann?

Passend zur Fußballweltmeisterschaft in Brasilien 2014 nähern sich Susanne Catrein und Christof Hamann mit Kolleginnen und Kollegen aus Kultur-, Literatur- und Medienwissenschaft dem Sport, der »fast alles ist«, von so unterschiedlichen Seiten, dass schnell klar wird: Fußball ist nicht nur ein ökonomisches, soziales und kulturelles, sondern auch ein intellektuelles Phänomen. Denn das Fußballspiel macht nicht allein Sprache, es macht vieles mehr: ungeheuer viel Geld etwa, Filme und Literatur, es produziert Ein- aber auch Ausschlüsse von Fremdem, und es wird zugleich als einmaliges Ereignis wie auch als traditionelles Kunstwerk mit Ewigkeitscharakter inszeniert. Der Band enthält außerdem literarische Texte und wird visuell durch einen eindrücklichen Fotoessay von der Europameisterschaft in Polen und der Ukraine sowie Bildern der vergangenen Weltmeisterschaft in Südafrika abgerundet.

Mit Beiträgen von Stephanie Catani, Susanne Catrein, Andreas Erb, Metin Genç, Torsten Hahn, Christof Hamann, Guy Helminger, Michael Hofmann, Paul Ingendaay, Christoph Jürgensen, Stan Lafleur, Andreas Lörcher, Maximilian Mengeringhaus, Rainer Merkel, Rolf Parr, Nicolas Pethes, Oliver Ruf, Julia Schöll, Helge Schultz und Ror Wolf.“

Die Buchpremiere fand bereits am 29. April vor komplett gefüllten Rängen im Kölner Literaturhaus statt. Hubert Winkels leitete zwei Gesprächsrunden mit mehreren Autoren zu wissenschaftlichen Aspekten des Spiels. Dazwischen las Rainer Merkel aus einer literarischen Skizze, in der ein zufälliger (!) gemeinsamer Stadionbesuch sich zur anrührenden, psychologisch grundierten Allegorie auf ein Vater-Sohn-Verhältnis auswächst, den Abschluß machte mein Gedicht auf Éric Cantona, der seit seinem berühmten Statement „When the seagulls follow the trawler, it’s because they think sardines will be thrown into the sea“ als „Honourable Member of the Möwement“ die Welt durcheilt. Der Veranstaltungsbeginn war kurzfristig vorgezogen worden, um dem Publikum die Gelegenheit zu geben, das Champions League-Halbfinalrückspiel zwischen Bayern München und Real Madrid in voller Länge schauen zu können. Dem Fakt des aufdräuenden Matches war auch geschuldet, daß sich das aus zahlreichen Fußballexperten bestehende Publikum unter Aufwendung höggschder Disziplin zurückhielt, den Bühnendiskurs um eigene Theorien zu ergänzen. Daß dasselbe Publikum geschlossen bis zur Schlußminute ausharrte, dürfte deutlich für die Veranstaltung gesprochen haben.