Meine Hände

Meine Hände

Meine Hände sind zwei gefangene Vögel
ganz in der Nähe ihrer Flugkurve:
sie bewegen sich rastlos
weil sie kein Nest haben
oder angespannt warten.
Durch die dünnen Adern fließt
das stille Blut
wie Pflanzensäfte durch den Zweig,
jedoch bewegt meine Hände kein
Frühlingswind.
Zärtlichkeit, die sich ausruht oder nicht
belebt ihre Mattigkeit,
und eine Hoffnung auf zumindest die
Erinnerung an Dinge die sie taten.
Meine Hände sind eingesperrte Tauben
sie können nicht hinter
den Sand der Zeit fliegen
der durch ihre Finger rinnt.

Alaíde Foppa (1914-1980 (?)) gehört zu den bedeutendsten lyrischen Stimmen Guatemalas. Das Gedicht Mis manos findet sich im Zyklus Mujer im 2014 erschienenen Sammelband Viento de primavera, der das Werk der im Kontext des guatemaltekischen Bürgerkriegs verschwundenen Dichterin erstmals ordnet. Tauben und Hände gehören zu den Lieblingsbildern Alaíde Foppas, wie auch in Liebesbriefe, einem weiteren von mir übertragenen Gedicht.

Mis manos

Mis manos son dos pájaros cautivos
y cercano es el giro de su vuelo:
se agitan sin sosiego
porque no tienen nido
o quedan en suspenso y en espera.
Pasa por las finas venas
la sangre silenciosa
como savia en el ramo,
mas no mueve mis manos
viento de primavera.
Caricia que se posa o no se posa
anima su cansancio,
y una esperanza de guardar siquiera
memoria de las cosas que tuvieron.
Mis manos son palomas prisioneras
y no pueden volar
tras la arena de tiempo
que pasa entre sus dedos.

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