Wie Johan Cruyff verhinderte, daß die Niederlande 1974 Fußballweltmeister werden konnten

hofeinfahrtsdecke

In Nijmegen treffe ich Lucas Hüsgen, der für die flandrische Literaturzeitschrift DW B (Dietsche Warande en Belfort) einige meiner Gedichte ins Niederländische übertragen und zuletzt für rheinsein eine Serie mit Texten und Fotos zu Orten entlang des gelderländischen Rheinarms Waal verfaßt hat, in der u.a. über Geschichte und Gegenwart, Wirtschaftsmodelle, Fußballplätze und Frittenbuden, Brücken und Nebenrinnen, Zuwanderung und Blutvergießen, Schriftsteller und Gespenster berichtet und nachgedacht wird.

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Als erstes besuchen wir Mariken van Nieumeghen, bekannt für ihren sündigen Lebenswandel bzw. allgemein dafür, daß sie sich dem Teufel verschrieben hat. Die wilden Zeiten hat Mariken indes hinter sich gelassen, gemeinsam schweigend betrachten wir den Himmel, über den in rasanter Folge eindrückliche, von kräftigen Windstößen getriebene Aprilwetter flüchten und dem für niederländische Verhältnisse tiefsten Binnenland einen seeischen Anschein verleihen.

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Nijmegen ist, eine in hiesigen Niederungen seltene Kombination, klassisch katholisch und zugleich politisch so rot, daß es als La Habana der Niederlande bezeichnet wird. Samstag ist Markttag und so gilt unser zweiter Besuch Wilma Graat, nicht zuletzt deswegen die bekannteste Fischhändlerin Nijmegens, weil ihr Nachname Gräte bedeutet. Ohne Eile wandern Unmengen Hering und Kibbeling über den Tresen. Entspannte Geschäftigkeit überall. Der Giro d’Italia wird in Kürze in Nijmegen starten und so mischt sich Rosa (die Trikotfarbe des Führenden in der Giro-Gesamtwertung) ebenso ins Stadtbild wie Wettbewerbe im Langsamfahren auf dem Fahrrad. Um selber keinesfalls zu überschleunigen, besuchen wir eines der zahlreichen Straßencafés, das vom Faß gezapftes Trappistenbier anbietet.

mutter mit dem kinde

Wenn ein niederländischer und ein deutscher Dichter sich unterhalten, kommen sie beinahe unumgänglich auf das Endspiel der Fußballweltmeisterschaft 1974 zu sprechen. Als ich von Cruyffs Alleingang in der ersten Spielminute schwärme, eröffnet Lucas Hüsgen mir eine in Deutschland kaum bekannte Theorie, weshalb die Niederlande das Spiel nicht gewinnen konnten, eine Theorie, die hauptsächlich von PSV Eindhoven-Fans vertreten werden dürfte: „Alles lag daran, daß Johan Cruyff bewirkt hatte, daß der damals beste Torwart der Welt, Jan van Beveren (von PSV), nicht für den Kader der niederländischen Mannschaft nominiert wurde. Van Beveren hätte das Tor von Gerd Müller niemals zugelassen, er hat genau solche Bälle immer gehalten. Später spielten die beiden gemeinsam in den USA bei den Fort Lauderdale Strikers. Selbst im Training konnte Gerd Müller Jan van Beveren kein einziges Mal bezwingen.“

the non being

(Bilder: Decke, Fenster und Mauern in Nijmegen)

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