Victor Hugo, Walter Benjamin und rheinsein

rheinsein, mein Blogprojekt zu allen denkbaren wie realen Gegenden und Kulturen des Rheins, ist mittlerweile auf weit über 2000 Einträge gewachsen. Nahezu unbeworben gedeiht es in einer stillen Ecke des Netzes. Von Suchmaschinen und den Faszinationen rheinischer Kulturräume angelockt klinken sich seit Jahren täglich Besucherscharen in das Konglomerat, die jedem kleinen Museum gut zu Gesicht stünden.

Ausgehend von einer Passage aus Le Rhin, Victor Hugos Beschreibung seiner Rheinreise in „Briefen an einen Freund“, die rheinsein in Ausschnitten präsentiert, assoziiert Chris Bader nun mit literaturwissenschaftlichem Hintergrund auf acheronta movebo über das Flußmotiv, Sprachbrodeln und Narben und vergleicht rheinsein „in Hinblick auf die Materialfülle sowie auf Lafleurs erfrischendem Mix von Gestern und Heute, „High“ and „Low““ mit dem Passagen-Werk Walter Benjamins, das von der Kritik als „Notizenfragment“ und „Buch, das es nicht gibt“ beschrieben wurde.

Analytisch könnte womöglich noch ein wenig mehr geschehen, ich meine: im Sinne des deutlicheren Herausarbeitens von Leit- und Rhein-Motiven. – Allerdings gilt gerade für Stan Lafleurs Arbeit dies: Die konsequente Indexierung des reichen Materials durch Schlagworte ist quasi ein Selbstläufer: Die Schlagworte als Stichworte sammeln sich in der „longue durée“ und formen einen eigenen Metatext.

Tatsächlich erhält die Leserschaft auf rheinsein, anders als bei den meisten literarischen Blogs dieser Tage üblich, außerhalb der Stichwortwolke (einem bald 5000 Begriffe fassenden, das grafische Erscheinungsbild bestimmenden Orts- und Personenregister) nur wenige Hinweise auf thematische Stränge und gelegentliche Artikelserien; Analyse leistet rheinsein allenfalls in homöopathischer Dosis.

In seinem Blog zitiert Stan Lafleur den zitierenden Victor Hugo. Deshalb – weil er viel zitiert – hatte auch Walter Benjamin Victor Hugo gerne zitiert. Alle drei – Stan Lafleur, Walter Benjamin, Victor Hugo zitieren allerdings transparent: Sie zitieren in Achtung und Nennung der Quellen. Lesen also fremdes Material auf, kennzeichnen es als fremdes Material, integrieren es in ihr literarisches Mix: Damit outen sich alle Drei – Lafleur, Benjamin, Hugo (…) als Literatur-, Philosophie- und Quellen-DJs, die den alten Materialien einen neuen und jetzigen Kon-Text stiften, eine jetzige und heutige Ästhetik und damit Verdaulichkeit verleihen.

Baders Überlegungen zugrunde liegt der rheinsein-Eintrag „Victor Hugo befindet sich seit ein paar Stunden in Schaffhausen und bestellt ein seltsames Abendessen“ vom 06. April 2016. Daß rheinsein in Einzelteilen oder zur Gänze wahlweise als ausschnitthafte bis umfängliche Allegorie auf das menschliche Leben aufgefaßt werden kann, läßt sich zwischen den Zeilen und vollständig unter dem sprechenden Titel: „IN THE MIX: Schweizerisch-französische Onomato-Omelette-Poetik, gefunden von Stan Lafleur bei Victor Hugo. – Notizen zum Motiv der „Narbe“ und zum Motiv „Fluss““ nachlesen.

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