Guatemala-Stadt (2)

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Kathedrale von Guatemala-Stadt auf der Plaza de la Constitución

Bei meinem zweiten Aufenthalt residiere ich im historischen Zentrum der Zona 1. Der Platz der Verfassung wird bevölkert von fliegenden Händlern, auf dem Asfalt picknickenden Familien und Demonstranten. Nicht weit entfernt befindet sich der Zentralmarkt mit beachtlichem Angebot an Frischwaren. Ich lasse mir eine Trinkkokosnuß aufschlagen und lerne das guatemaltekische Maß „tres manos“ (drei Handvoll) kennen, das beim Straßenverkauf kleinerer Früchte Verwendung findet. Auf den Platz führt die 6A Avenida, vermutlich die bekannteste Straße der Hauptstadt.

Straßencombo auf der 6A Avenida

Straßencombo auf der 6A Avenida

Der Boulevard fungiert als einzige Fußgängerzone der Innenstadt. Morgens kommt sie nur langsam in Schwung. Auf einem Kilometer reihen sich Läden mit Kunststoffprodukten, dazwischen Fastfood-Restaurants und Boutiquen, die Kleidung mit Minions-Motiven und Glitzer verkaufen. Auf der Straße bieten Portraitzeichner, karibische Friseurinnen, und wandelnde Schaufensterpuppen ihre Produkte und Dienstleistungen an. Alle paar Meter stehen Polizisten oder Wachpersonal mit Shotguns.

Immer an der Wand lang

Eine seltsame Hochlandgrippe mit mir schleppend, lasse ich mich von Passantenwellen die Straße auf- und abspülen. Vereinzelt schieben Hedonisten ihre Einräder neben sich her. Schuhputzer versuchen mich zu stoppen. Über den Köpfen der Menge platzen Seifenblasen, baumeln an Stangen angebrachte Moskitonetze, weisen Plakate auf einen großen Fotowettbewerb hin, gefragt sind Motive der Innenstadt. Aus der Hüfte schieße ich verwackelte Straßenszenen, bis der Speicherchip übersäuert.

Seit jeher gesucht, bis heute unentdeckt: das legendäre Heartland

Als befände ich mich in einem Computerspiel, bewege ich mich durch das rechtwinklige Straßenraster, rechts, links, links, rechts… Umgehe jäh aufklaffende Gullilöcher, die mit ihren abgebrochenen Schutzgittern an Bärenfallen erinnern. Auf dem Weg eingesammelte Instinkte hindern mich am Betreten diverser Areale. Meine Feinde halten sich bedeckt. Von den Wänden bröckelt der Putz und gibt Geheimkarten preis.

Einer von zahlreichen Fußballstars in den Straßen der Hauptstadt

Einer von zahlreichen Fußballstars in den Straßen der Hauptstadt

Dann taucht Thierry Henry vor mir auf. Neben seinem alten Arsenal-Jersey trägt er einen leeren Blecheimer übers Trottoir.  Ich spreche den Ex-Fußballer an, wir reden über seine großen Zeiten und er führt mich zur Buchhandlung Piedra Santa. Dort bittet Henry um etwas Geld für sein Frühstück, sein Gehalt sei noch nicht angewiesen. Der Lyrik wird in der Buchhandlung, anders als in Europa, ebensoviel Platz beigemessen wie der Belletristik und dem Sachbuch: zwei Dutzend Titel, darunter eine Handvoll von derselben Autorin, die, falls ich recht verstehe, um die Ecke wohnen soll.

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