Guatemala-Stadt

Wandgemälde mit Vorhang in der Zona 4

Wandgemälde mit Vorhang

Zona 4, Guatemala-Stadt. Carlos René García Escobar, der PEN-Präsident Guatemalas, holte mich am Flughafen ab. Einfach so ein Taxi ohne Referenz zu nehmen sei gefährlich, hörte ich später. Zuvor hatte Carlos mir, damit ich ihn erkennen möge und mich an meine Heimat erinnert fühle, wie er sagte, ein gemeinsames Foto mit Günter Grass von einem Kongreß in Berlin vor rund zehn Jahren geschickt. Der Abend dämmerte bereits, als Carlos mich in einem stacheldrahtumzäunten Hotel ablieferte, vor der vergitterten Einfahrt zwei Wachmänner mit Shotguns. Gejetlagged fiel ich umgehend in Tiefschlaf. Am nächsten Morgen, sechs Uhr früh, wollte ich ein paar Scheine in der lokalen Währung auftreiben und einen Netzadapter für meine elektronischen Geräte besorgen. Die Rezeptionistin beorderte das Wachpersonal, mich über die Kreuzung zu einer Tankstelle mit Geldautomat zu begleiten. Das kam mir zu gleichen Teilen übertrieben wie freundlich vor. Mit einer Anzahl frisch gebügelter Quetzales machte ich mich auf den Weg. Die Geschäfte hatten noch geschlossen, doch einige abenteuerliche Kramläden öffneten nach und nach, auch solche mit Elektrobedarf, Adapter für europäische Stecker führte keiner davon. Auf der Straße zuckten Überreste der vergangenen Nacht. Zerstörte Menschen. Dann wieder solche, die den Weg zur Arbeit aufnahmen. Beutegierige Straßenkinder. Ein paar befremdete Blicke: was sucht der große Weiße hier? Traute mich kaum zu fotografieren. Eines der wenigen Bilder des ersten Morgens ist dieses von einem Wandgemälde in einer Nebenstraße.

Torre del Reformador von 1935

Torre del Reformador von 1935

Auf meiner frühmorgendlichen Erkundungstour durch Haupt- (Avenidas) und Nebenstraßen (Calles), die sich zu durchnummerierten Rastern fügen, ragte plötzlich der Torre del Reformador, unter dem ich am Vortag bereits hindurchgefahren war, vor mir empor. Das Bauwerk ist dem Eiffelturm nachempfunden, auf derselben Avenida steht weiter stadteinwärts auf der Plaza de la Republica ein von drei Bronzefiguren über Kopf erhobener Obelisk. Tourismus existiert in der Landeshauptstadt kaum. Sie gilt als wenig sehenswert und gefährlich.

Teethburger

Teethburger

Burger-Schnellrestaurants sind im Stadtbild omnipräsent, Produktnamen der spanischen Sprache angepaßt – so sah ich z.B. „McNíficos“ angepriesen. Drei meiner ersten vier Mahlzeiten in Guatemala bestanden aus dem desayuno típico (typisches Frühstück), das zu anderen Tageszeiten als platillo típico (typisches Gericht) angeboten wird: die Basisversion vereint schwarze Bohnenpaste, Kochbananen, Rührei, Tortillas und Kaffee.

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