Panajachel

Der bedeutendste Ort am Atitlánsee besteht auf den ersten Blick aus einer ansehnlichen, von Restaurants und Geschäften gesäumten Hauptstraße, dominiert von Läden mit Maya-Textilien in großartigen Mustern und Farben. Von den ca. sieben Geldautomaten funktionierten zwei, deutlich mehr als in anderen Orten rund um den See, von dem Aldous Huxley schrieb, er sei „too much of a good thing“. Nach Panajachel bewegte ich mich mit dem Schnellboot, das den See in ca. einer halben Stunde in West-Ost-Richtung quert. Die Boote, gleich ob sie für zehn oder 20 Passagiere ausgelegt sind, verlassen den Anleger stets, sobald der vierzehnte Passagier an Bord ist. Morgens ist die Fahrt ruhig, nachmittags wellt der Xocomil, ein über die Berge kriechender Fallwind die Oberfläche: die Folge sind brutale Schläge und Gischtduschen beim Aufsetzen des durch die Traumlandschaft hastenden Bootes.

Zwei Museen bietet Panajachel. Die Casa Cakchiquel zeigt historische Fotografien an den Wänden eines städtisch betriebenen Cafés. Neben frühen Aufnahmen von Campesinos, die mich an gleichalte Bilder derb gewachsener Bauern im Appenzell erinnerten, sind auch Prominente (Che Guevara, Ingrid Bergman) zu sehen, von denen auf diese Weise Zusammenhänge mit dem Ort in die Luft gestellt, jedoch nicht erläutert werden.

Das Museo Lacustre ist in der schicken Posada Don Rodrigo untergebracht und befaßt sich mit „Samabaj“, dem „Maya-Atlantis“, einer Stadt auf dem Seegrund, die vor mindestens 1700 Jahren untergegangen sein soll. Benannt ist der Fundort nach seinem „Entdecker“ Roberto Samayoa Asmus: ein Kunstwort aus dessen Nachnamenssilbe Sam, kombiniert mit dem Quichéwort und häufigen Namensbestandteil abaj (Stein). Um den See herum sollen Berichte über den versunkenen Ort in mündlichen Maya-Überlieferungen existieren, die für die Forschung und Namensgebung jedoch bisher nicht berücksichtigt wurden. Unterdessen regt „Samabaj“ eine bunte Reihe religiöser und esoterischer Theoretiker zu Beweisführungen an. Die im Museum ausgestellten Fundstücke sind mühelos abzählbar. Als ich die Ausstellung ob ihres geringen Schauwerts achselzuckend verlassen wollte, fing mich eine Angestellte ab und geleitete mich in einen zweiten Raum, indem sie mich anwies, barfuß weiterzugehen und das Fotografieren zu unterlassen. Der Raum war rundum blau gestrichen und sollte eine Szenerie auf dem Seegrund vorstellen. In einer dreiviertelstündigen Dokumentation taucht er – trotz Fotografierverbots – kurz auf.

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