Regengegenden

Xela schickte mir freundlicherweise drei Starkregen, die ich dort vergessen hatte, per Eilbote hinterher. Nur zwei Weiße hatten die Stadt an diesem Tag Richtung Atitlánsee verlassen, sodaß ich auf den von Kontrollposten gesäumten Straßen gut zu finden war.

Die Zustellung besorgten die Himmel, der Maya-Weltsicht zufolge ebenso belebte Wesen wie Tiere, Menschen, Pflanzen, kurzum: die gesamte Natur als Teil des Kosmos. Das funktionierte so: die Himmel krochen im Manöver befindlichen Soldaten gleich über die Berge und ballerten mit Wassermassen. In der deutlich befeuchteten Landschaft suchte ich den Schutz einer Tankstelle. Von dort ließ sich, aus sicherer Entfernung, ein seltenes Schauspiel beobachten: die Entpuppung eines Selbsthotels, das sich mit der Anmutung eines riesigen, giftigen Insekts zu Füßen der Höhenzüge in die Wiesen und Nebel entfaltete.

regengegend_2Irgendwann waren alle Straßen naß und alle Richtungen verschwommen. Ich raste hinter anderen Vehikeln her, bis diese mich verfolgten. Da Hinweisschilder im Gegensatz zu unangekündigten Bodenwellen kaum vorkommen, läßt sich das Autofahren im guatemaltekischen Hochland zur Regenzeit mit einer Ozeanpassage vergleichen: in der Ferne vulkanartige Inseln, in mittlerer Distanz nichts als maisgrünes Gewoge, direkt vor der Nase die gischtsprühende Heckspur eines anderen Verlorenen, der stur seinen Instinkten folgt.

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