Aguacatán

Abseits guatemaltekischer Hauptrouten liegt zu Füßen der Sierra de los Cuchumatanes die weit überwiegend von Maya bewohnte Kleinstadt Aguacatán. Die letzte Stunde meiner Anreise aus der Hauptstadt führte bei Starkregen und einsetzender Dunkelheit im Schritttempo über eine an Schlaglöchern reiche Serpentinenpiste. Plötzlich, ich fürchtete bereits im Wagen übernachten zu müssen, funkelten in einer Senke, einem Wurf verlorener Sterntaler gleich, die Lichter der Stadt. Sehr früh am Morgen stand ich auf. Die Campesinos machten sich auf den Weg zur Arbeit.

Nach und nach füllten sich die Straßen, Marktfrauen trugen ihre Waren herbei. Blickte ich in ihre Richtung, schlugen sie die Augen nieder. Sobald ich einen guten Morgen wünschte, wurden die Grüße freundlich erwidert. Mehrheitlich waren die Damen in Trachten gekleidet, die mit den Farben ihrer Waren, der bunt gestrichenen Hauswände, der gesamten Umgebung (die ungleich gelöster wirkte als die Straßen der Hauptstadt) zu korrespondieren schienen.

Ihre Gespräche in der lokalen Mayasprache Awakateko gingen leise und behutsam vonstatten. Auf mich wirkten die Dialoge wie gemeinschaftliche räumliche Schöpfungen, unsichtbare Gesprächsskulpturen, kleine prasselnde Feuer aus ineinander verkantetem Wortholz: eine mystische Grundierung des Alltags, die bestärkt wurde durch den visuellen Aspekt, daß die Mayaleute aus den Farben ihrer Umgebung hervorzutreten und wieder in ihnen zu verschwinden schienen.

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