Anishkapoored

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Im Kölner Skulpturenpark am Konrad-Adenauer-Ufer verweile ich am liebsten bei einem namenlosen mannshohen parabolspiegelartigen Objekt aus poliertem Stahl von Anish Kapoor. Wenn ich es länger als fünf Minuten aus verschiedenen Perspektiven, insbesondere von der Rückseite, inspiziere, kommt der Parkwächter (der in einer Jorge Pardo-Skulptur namens Tomatensuppe haust) mit gestresster Miene herbeigeeilt und erfindet Gründe, die dazu dienen sollen, den Abstand zwischen Objekt und Betrachter zu vergrößern. Vielleicht zur besseren Überwachung und wohl im Rahmen der aktuellen Umgestaltung mit neuen Skulpturen wurde mein Lieblingsobjekt von der Parkmitte in die Nähe des Wächterhäuschens versetzt. Kapoors famose, unaufdringliche Skulptur spiegelt ihre unmittelbare Umgebung, stellt sie auf den Kopf, absorbiert und transformiert sie, mischt Parkambiente, Wolken, Sonne und Passanten in Echtzeit zu ständig im Wandel begriffenen Konstellationen. Schilder verbieten das Berühren und die Annäherung auf wenige Zentimeter. Wer das Annäherungsverbot unterläuft, gewinnt der Skulptur einige ihrer interessantesten Perspektiven ab – bis der mißtrauische Wächter mit einem Schlauch anrückt, um nach verbissen vorgebrachter, nur einmal ausgesprochener Warnung mit großzügigem Schwung etwaige Oberflächenkontaminierungen zu beseitigen. Dann ist vorübergehender Rückzug angesagt. Entschädigt werde ich durch das ablaufende Wasser, das sehenswerte, zur Meditation einladende Effekte bewirkt, die an das wilde Strömen alpiner Abschnitte des nahen Rheins erinnern.

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