In memoriam Rolf Persch

Das letzte Mal traf ich Rolf Persch bei einer seiner Lesungen in einem Café am Eigelstein. Weil ich mich verspätet hatte und auf der kleinen Dachterrasse kein Platz mehr frei war, tändelte ich hinter Rolf auf der Behelfsbühne herum. Sobald er meine Anwesenheit in seinem Rücken bemerkte, begrüßte er mich, bot mir den Stuhl, auf dem seine Manuskripte lagen und integrierte mich in seine Lesung, indem er mich anhielt, seinen Textstapel zu verwalten. Im weiteren Verlauf der Lesung ergaben sich ein paar kurze Dialoge – das Publikum reagierte befremdet bis amüsiert.

Kennengelernt hatten wir uns 1997, als wir gemeinsam bei der vom KRASH-Verlag ausgerichteten Westdeutschen Literaturmeisterschaft – einer frühen Variante des Slams – auf der Bühne standen und die Siegerplätze belegten. Meist trafen wir uns anläßlich seiner Lesungen in diversen Kölner Cafés. Rolf erzählte mir von seiner Junkie-Vergangenheit, von Marokko, seinem Abo-Gedicht (jeden Monat ein neues, durchgepaustes und an 20 Abonnenten als Typoskript versandtes Gedicht, mit dem er wesentliche Teile seines Lebensunterhalts bestritt) und von seinem Rückzugsort in der Eifel, der ihn so günstig kam, daß er seinen Vermieter als Mäzen bezeichnete.

Vor anderthalb Wochen erhielt ich Nachricht, daß Rolf Persch schwer erkrankt sei und nicht mehr gesund würde. Eine für den ersten März angesetzte Lesung in einem Südstadt-Café, die ich besuchen wollte, könne er nicht mehr wahrnehmen. Vor drei Tagen ist Rolf von uns gegangen. Wie viele Dichter lebte er materiell arm und starb früh.

Als Dichter war Rolf Persch vornehmlich im Kölner Raum bekannt. Seine Texte sind auf Lakonie geschnitten und wirken mit unerwarteten, hinter- bis tiefsinnigen Wortspielen und grotesken, lebensweisen Wendungen. In seinem Nachruf im Kölner Stadt-Anzeiger nennt Norbert Hummelt Ernst Jandl als Vorbild. Perschs Buchtitel lauten: mein stuhl und ich, scheuen sie sich nicht mich außenbordmotor zu nennen oder von möglichkeiten. Beim Vortrag agierte Rolf mit schneidend-akzentuierender Stimme, die bisweilen ins Melancholische driftete, lebte in seinen Gedichten und zog so sein Publikum in Bann. Kollegen erzählten mir von wilden Performance-Aktionen, die für seine früheren Auftritte typisch gewesen seien. Ich habe Rolf stets eher als souveränen, denn als wilden Performer empfunden.

Eine kleine Textauswahl im Netz läßt sich im Poetenladen finden. Unter dem Titel ist es am rhein so schön habe ich auf rheinsein fünf seiner Rhein-Gedichte eingestellt. Wer Rolf Perschs Homepage anwählt, stößt nun zuerst auf ein selbst verfaßtes und eingesprochenes Epitaf:

am ende

am ende wird es ein erdenaufenthalt gewesen sein,
der kaum zu ordnen war, für mich, der ich
immer ordentlich bin.

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2 Kommentare zu “In memoriam Rolf Persch

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