Turkish Delight

kacheln_galip dede_3Wanderer erklimmen die Hänge von Kasımpaşa, Freeclimber hangeln am Halbmond der Moschee, Ninja-Alpinisten seilen sich von der Brücke ins Stadion, das nach einem berühmten Gasmann aus dem Viertel benannt ist. Drunten im Stadionschacht läuft auf der zwölften Tiefebene ein Süper Lig-Match. Die Spieler tragen Trikots in türkischen Farben: Safran, Sumach, Schopflavendel, Izmir-Mandarine. Flutlichter erhellen den Himmel, übers Goldene Horn schippern die Fähren Fans hin und her. So viele wollen dieses Match sehen. Kaum einer weiß genau, wo das Stadion liegt. Schiffshupen dröhnen. Teils feixend, teils verbittert arbeiten sich die Fanscharen den Hügel empor, verschwinden in dampfenden Verpflegungshütten, ihr Klimmen, Klettern, Kraxeln, ihr Kampfgebrüll überlagert sich dem Spiel in den Stadiongründen, wird in verrauschten Bildern umherirrender Farbtupfer in den TV-Geräten über den Imbißtüren und auf den gekachelten Hauswänden live übertragen. Gemeinsam löffeln die Fans ihre Kuttelsuppen und singen Schulter an Schulter die alten vibrierenden Lieder, wie gerne sie geküßt würden, auf ihre vor Gram rissigen Lippen.

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