Was Fussball macht – Zur Kultur unseres Lieblingsspiels

was fuss ball machtBei Steidl ist dieser Tage mit Was Fussball macht ein spartenübergreifend konzipiertes Fußballbuch erschienen, das u.a. eine feine Abhandlung über die deutschsprachige Fußballlyrik seit ihren Anfängen enthält. Aus dem Verlagsinfo:

„Wenn Politiker Bilanz ziehen, sprechen sie gern einmal von »Spielminute«, »Tor« und »Fußball«. Angela Merkel nannte sich selbst »Teamchefin«. Dass in jedem Zusammenhang von Fußball die Rede ist, überrascht uns nicht mehr: Ob in den Feuilletons, beim Börsenkurs, in der Medizin oder im Wahlkampf – es lässt sich kaum ein Bereich des gesellschaftlichen Lebens denken, der nicht mithilfe von »Abseits«, »Abpfiff«, »Eigentor« und »Foul« viel leichter zu erklären wäre. Wie kommt es, dass Fußball so vieles umfasst und kulturell, ökonomisch, politisch, sogar philosophisch umgedeutet werden kann?

Passend zur Fußballweltmeisterschaft in Brasilien 2014 nähern sich Susanne Catrein und Christof Hamann mit Kolleginnen und Kollegen aus Kultur-, Literatur- und Medienwissenschaft dem Sport, der »fast alles ist«, von so unterschiedlichen Seiten, dass schnell klar wird: Fußball ist nicht nur ein ökonomisches, soziales und kulturelles, sondern auch ein intellektuelles Phänomen. Denn das Fußballspiel macht nicht allein Sprache, es macht vieles mehr: ungeheuer viel Geld etwa, Filme und Literatur, es produziert Ein- aber auch Ausschlüsse von Fremdem, und es wird zugleich als einmaliges Ereignis wie auch als traditionelles Kunstwerk mit Ewigkeitscharakter inszeniert. Der Band enthält außerdem literarische Texte und wird visuell durch einen eindrücklichen Fotoessay von der Europameisterschaft in Polen und der Ukraine sowie Bildern der vergangenen Weltmeisterschaft in Südafrika abgerundet.

Mit Beiträgen von Stephanie Catani, Susanne Catrein, Andreas Erb, Metin Genç, Torsten Hahn, Christof Hamann, Guy Helminger, Michael Hofmann, Paul Ingendaay, Christoph Jürgensen, Stan Lafleur, Andreas Lörcher, Maximilian Mengeringhaus, Rainer Merkel, Rolf Parr, Nicolas Pethes, Oliver Ruf, Julia Schöll, Helge Schultz und Ror Wolf.“

Die Buchpremiere fand bereits am 29. April vor komplett gefüllten Rängen im Kölner Literaturhaus statt. Hubert Winkels leitete zwei Gesprächsrunden mit mehreren Autoren zu wissenschaftlichen Aspekten des Spiels. Dazwischen las Rainer Merkel aus einer literarischen Skizze, in der ein zufälliger (!) gemeinsamer Stadionbesuch sich zur anrührenden, psychologisch grundierten Allegorie auf ein Vater-Sohn-Verhältnis auswächst, den Abschluß machte mein Gedicht auf Éric Cantona, der seit seinem berühmten Statement „When the seagulls follow the trawler, it’s because they think sardines will be thrown into the sea“ als „Honourable Member of the Möwement“ die Welt durcheilt. Der Veranstaltungsbeginn war kurzfristig vorgezogen worden, um dem Publikum die Gelegenheit zu geben, das Champions League-Halbfinalrückspiel zwischen Bayern München und Real Madrid in voller Länge schauen zu können. Dem Fakt des aufdräuenden Matches war auch geschuldet, daß sich das aus zahlreichen Fußballexperten bestehende Publikum unter Aufwendung höggschder Disziplin zurückhielt, den Bühnendiskurs um eigene Theorien zu ergänzen. Daß dasselbe Publikum geschlossen bis zur Schlußminute ausharrte, dürfte deutlich für die Veranstaltung gesprochen haben.

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