Auf dem Bosporus unterwegs (2)

fähre fahrengalata kulesi_2In den halbverspiegelten Scheiben der Bosporus-Fähren treffen sich beide Uferseiten. Den Wohnhäusern auf den Hügeln von Cihangir werden jene von Üsküdar gleichsam kontinental überlagert (und umgekehrt); der Wellengang gestaltet aus dem im Fährtempo sich entwickelnden Bild tatsächlich ein „Häusermeer“: schwappend, erregend, lichttrunken, in den Farben der Fische und mit jähen Untiefen. Möwen halten Kurs auf die Fenster am Himmel. Sind auf dem Oberdeck anstelle von Fensterscheiben Plastikplanen angebracht, läßt sich durch sie der Stadt beim Schmelzen zusehen. Istanbuls stets mutierender architektonischer Organismus aus Verfall und Neubau, welchem der Verfall bereits im Rohbau häufig spürbar innewohnt, erhält somit beim Anblick von der Fähre zu seiner zeitlich-räumlich-realen zusätzlich eine virtuell bewegte Dimension: das Wabern und Vibrieren der Stadt als visuelles Manifest.

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