Die Geier rücken näher

Erstmals habe ich frei auftretende Geier in Köln vor einigen Monaten am Parkgürtel bemerkt, inzwischen sind sie bis auf wenige hundert Meter an meine Wohnung herangerückt. Das im Bild eingefangene Exemplar befindet sich an der Stadtbahnhaltestelle Neusser Straße/Gürtel. Im allgemeinen gelten Geier als unwillkommen, nicht nur im Deutschen ist ihre Erwähnung häufig mit Flüchen und Abwertung verbunden, zahlreiche literarische Stellen geben davon Zeugnis. Vermutlich das umfangreichste auf Geier spezialisierte Kompendium im Internet und zugleich ein ziemlich verborgenes betreibt Roland Bergère mit seinem bestiaire abrégé, das u.a. als Ehrenrettung der verachteten Spezies betrachtet werden darf.

Bergères Schaffen ist in hohem Maße emsig und vielfältig. So veröffentlicht er allmonatlich ein neues Kunstbuch oder verfolgt ausufernde Crash-Konzepte, indem er enzyklopädische Werke, die er archives silencieuses (Schweigende Archive) nennt, zusammenstellt, um sie als konsequente Lebensallegorie eigenhändiger oder zufälliger Vernichtung anheimfallen zu lassen.

Seit Jahren tausche ich mit Roland Bergère Funde aus Literatur, Netz und freier Wildbahn über Geier mit solchen über den Rhein. Der Austausch schlägt sich u.a. in kleineren gemeinsamen Veröffentlichungen auf rheinsein nieder, wie beispielsweise hier und hier zu finden. Infolge dieses lebhaften Austauschs fungiert Bergère seit geraumer Zeit als rheinsein-Chefkorrespondent für alle französischsprachigen Belange zur Rheinthematik und hat in dieser Eigenschaft nicht nur kaum mehr zu zählende Quellen aufgespürt, sondern unter verschiedenen Pseudonymen auch mannigfach seine eigenen Spuren in der unablässig wachsenden rheinischen Kulturgeschichte hinterlassen.

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Ein Kommentar zu “Die Geier rücken näher

  1. Noch näher als die Geier kommen unterdessen die Ratten, von denen Heinrich Heine zwei Sorten unterscheidet: die hungrigen und die satten. Die heute auf Höhe der Freien Tankstelle gesichteten gehören definitiv zur ersteren Sorte.

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