Atelier NRW

v für victory

Alpha, Omega, Victory: Wandteppich im Kreuzgang des Klosters Steinfeld

Als Textwerkstatt für ausgewählte Autoren fungiert das Atelier NRW, eine Veranstaltung vom Literarischen Colloquium Berlin und Ideengeber Dorian Steinhoff in Zusammenarbeit mit dem Literaturhaus Bonn; gefördert von der Kunststiftung NRW und dem Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen.

eifelschrift

Urftschrift bzw Kallschrift: bislang unentzifferte Glyphen im Kaller Ortsteil Urft

An zwei Augustwochenenden trafen sich im Kloster Steinfeld Monika Buschey, Yannic Federer, Stan Lafleur, Christina Leicht, Felix-Emeric Tota und Barbara Zoschke mit den Moderatoren Thorsten Dönges und Dorian Steinhoff zur Analyse und Diskussion ihrer aktuellen Prosaprojekte. Im November werden Ergebnisse des Ateliers im Bonner Literaturhaus bei einer Publikumsveranstaltung präsentiert.

steinfelder kuh_8

Blick in den Himmel als Selbstbespiegelung

Zum Ausgleich für die über Stunden intensiven Werkstattgespräche machte ich Fotos im Kloster und der umgebenden Eifel. Bei Durchsicht der Bilder fanden sich später zahlreiche literarische Motive, die als Fußnoten zu den stattgefundenen Gesprächen dienen könnten.

 

 

applaudissement

applaudissement_20Gleich Anna von vorne wie hinten lesbar, zu diesem Behuf mit zwei Titelseiten (diametral zum Hugo Ball-Cover liegt das Tristan Tzara-Cover) ausgestattet, erreichte mich vor der irrlichternden Weltraumkulisse, welche die Kölner Nacht auf die Plastikplanen des Textilcafés am Eigelstein wirft, die Superjubiläumsausgabe (20. Ausgabe im 30. Jahrgang, Thema „100 Jahre Dada“) von applaudissement, einer Münchener Zeitschrift mit Gedichten, kurzen Texten und bildnerischen Arbeiten für Applisten und Applauphile. In den vorangegangenen Heften war mir aufgefallen, daß Wasser und insbesondere Regen herausragende Rollen spielten, bisweilen schien es aus den Heften selbst zu tröpfeln, Anlaß genug, für die aktuelle Ausgabe einen Rain Man zu fotografieren. Den Beleg überreichte Herausgeber Bernhard Rusch vorgestern im Kölner Dauerniesel.

Mit Text- und Bildbeiträgen von Max Ackermann, Peter Adacker, Hazel Ang, Jürgen Bauer, Hubertus Breuer, Elzemieke De Tiège, Jessica Dettinger, Newsha Djavadipour-Sigari, Bobbie Dunn-Komarek, Elwood,  Christian Engelken, Eckhard Faul,  Maud Gravereaux, Gerald Grüneklee, Josef Maria Hader, Lynn Hardacker, Thomas Höpfinger, Emmy Horstkamp, Manuela Illera, Oliver Jung-Kostick, Jürgen Kerstiens, Kerstin Klein, Katrin Klug, Justin Koller, Stan Lafleur, Joachim Lischka, Carsten Lohse, Stefan Mayer, Susanne Nawroth, Karabin Oljoschin, Brigitte Yoshiko Pruchnow, Susan Ringler, Gabriele Rothweiler, Timo Rowek, Wencke Rowek, Bernhard Rusch, Ani-Ruth Lugani, Tina Schlegel, Stefan Schlotterbeck-Macht, Ulli Schmeling, Nina Schmid, Astrid Schneider, Sebastian Schumann, Ines Seidel, Michael Stephan, Steve Toase, Knut van Brijs, Niko Vartiainen, Heike Wiebe, Ewald Wiltraud, und Bärbel Wolfmeier.

applaudissement, 36 Seiten, DIN A4, zahlreiche Farbbilder, 5 Euro. Zu beziehen über den TTR-Verlag.

Meine Hände

Meine Hände sind zwei Vögel in Gefangenschaft
ganz in der Nähe ihrer Flugkurve:
sie bewegen sich unruhig
weil sie kein Nest haben
oder sich in der Schwebe befinden und warten.
Durch die dünnen Adern fließt
das stille Blut
wie Kräfte über das Feld,
jedoch meine Hände bewegt kein
Frühlingswind.
Zärtlichkeit, die ruht oder nicht ruht
belebt ihre Mattheit,
und eine Hoffnung auf zumindest das
Gedenken an Dinge die sie besaßen.
Meine Hände sind eingesperrte Tauben
sie können nicht
hinter den Sand der Zeit fliegen
der durch ihre Finger rinnt.

Alaíde Foppa (1914-1980 (?)) gehört zu den bedeutendsten lyrischen Stimmen Guatemalas. Das Gedicht Mis manos findet sich im Zyklus Mujer im 2014 erschienenen Sammelband Viento de primavera, der das Werk der im Kontext des guatemaltekischen Bürgerkriegs verschwundenen Dichterin erstmals ordnet. Tauben und Hände gehören zu den Lieblingsbildern Alaíde Foppas, wie auch in Liebesbriefe, einem weiteren von mir übertragenen Gedicht.

Mis manos

Mis manos son dos pájaros cautivos
y cercano es el giro de su vuelo:
se agitan sin sosiego
porque no tienen nido
o quedan en suspenso y en espera.
Pasa por las finas venas
la sangre silenciosa
como savia en el ramo,
mas no mueve mis manos
viento de primavera.
Caricia que se posa o no se posa
anima su cansancio,
y una esperanza de guardar siquiera
memoria de las cosas que tuvieron.
Mis manos son palomas prisioneras
y no pueden volar
tras la arena de tiempo
que pasa entre sus dedos.

Lesezeichen 02/2016

Heute ist das neue Lesezeichen erschienen, die vierteljährliche Zusammenstellung mit Highlights aus der deutschsprachigen Netzliteratur bei litblogs.net, einem Portal, das derzeit gut 20 AutorInnen, KünstlerInnen und Gruppen assoziiert und präsentiert. Themen sind u.a.: Molly Bloom und ein Glas voller Luft, saure Brause für den Schlaf des Wissens, Jean Pauls Text-Jemand, Victor Vroomkoning und Louis Paul Boon, das Ich als DJ und seine Sam­mel­bil­der, Bergbäche, Schluchten und die Romane Mary Wesleys, Rap-Workshops in einem Café in Friedenau, die Kulturindustrie und zwei Gläschen Ninno-Wein, unbekannte Musen in Besitzstandswahrungsgesellschaften, Leszek Możdżer, Iiro Rantala, Michael Wollny und Maria Callas … uvm.

rheinsein ist diesmal mit einer Bild-Text-Einheit über Gedichte im öffentlichen Raum der gelderländischen Stadt Nijmegen vertreten, die der Rhein als Waal durchfließt. Weitere AutorInnen des aktuellen Lesezeichens sind Hartmut Abendschein, Chris Bader, Marianne Büttiker, Der goldene Fisch, Andreas Glumm, René Hamann, Alban Nikolai Herbst, Phyllis Kiehl, Jan Kuhlbrodt, Jörg Meyer, Michael Perkampus, J. S. Piveckova, Rittiner & Gomez und Andreas Louis Seyerlein.

Der Greif

der greif_maria mavropoulou_athens

Titelloses Bild von Maria Mavropoulou (Athen 2016)

Soeben erschienen ist die neunte Ausgabe von DER GREIF, einem Magazin für zeitgenössische Fotografie und Literatur mit Schwerpunkt Fotografie. Das neue Heft „zeigt eine poetische, eigenartige Mischung aus Fotografie und Literatur mit ungeraden Verdrehungen“, heißt es in der Eigendarstellung und weiter:

„Künstlerisches Herzstück und Ursprung des Projektes ist das gedruckte und werbefreie Magazin. Hier werden die Arbeiten von Fotografen und Autoren unterschiedlichster Herkunft in einem Gesamtwerk kombiniert und präsentiert. Die Webseite ist Ausstellungs-, Kommunikations- und Informationsplattform für Teilnehmer und Interessenten. Teilnehmende Künstler werden in „Artist-Features“ vorgestellt und posten auf dem Guest-Blog. Im „Guest Room“ kuratieren namhafte Persönlichkeiten aus der Fotografie-Welt eingereichte Fotografien. DER GREIF verbindet digitale und analoge Inhalte auf einzigartige Weise, er erforscht und erweitert die Grenzen des Publikationswesens im digitalen Zeitalter. Seit seiner Gründung 2008 setzt sich das Projekt mit zeitgenössischen Themen wie der Wahrnehmung von Autorenschaft, De- und Rekontextualisierung von einzelnen fotografischen Bildern sowie dem künstlerischem Umgang mit fotografischen Archiven auseinander.“

der greif_anya marchenkova

Anya Marchenkova: „Schwimmer“ (Jekaterinburg 2016)

In der aktuellen Ausgabe, die zeitgenössische Fotografie dezent mit kurzen Texten kombiniert, findet sich mein Gedicht Freibad auf einer Doppelseite mit u.a. den hier abgebildeten Fotos – die Redaktion schreibt, sie hätte unter rund 10.000 Werken von 3.000 Einsendern auszuwählen gehabt. Entstanden ist eine der schönsten Zeitschriften, zu denen ich in den vergangenen 30 Jahren beigetragen habe.

Die Release-Party findet am 07. Juli ab 21 Uhr im Rahmen der Rencontres d’Arles im Fotohaus Parisberlin in Arles statt.

Der Greif 9 zählt 100 Seiten (25 x 35 cm), ist bei einer 4000er Auflage manuell numeriert, kostet 15 Euro und ist unter dieser Adresse zu bestellen.

Versnetze_neun

versnetze_neun„Da die Ismen in den ersten Jahrzehnten der Moderne abgegrast worden sind und grundlegend Neues in der Lyrik wohl nicht mehr zu erwarten ist, gilt nach wie vor die Bemerkung, mit der Ernst Jandl gegen Ende des 20. Jahrhunderts den Nagel auf den Kopf getroffen hat: Wir sind die Autoren der kleinen Verschiebungen.
Wenn die Lyriker der Gegenwart auch keine neuen Ismen mehr kreieren, sind viele von ihnen doch bemüht, ihre Diktion durch solche Verschiebungen aus der Klammer der literarischen Einflüsse zu lösen und individuelle poetische Akzente zu setzen. So wird man in Versnetze_neun zahlreiche unterschiedliche Schreibweisen finden, die zwar gelegentlich Berührungspunkte aufweisen (etwa prosanahe Texte), aber keinen größeren einheitlichen Stil erkennen lassen – eine quirlige Vielfalt sozusagen, der die Lyrik unserer Tage nicht zuletzt ihre Lebendigkeit verdankt.“ (Herausgeber Axel Kutsch im Vorwort)

Wie stets grob nach Postleitzahlengebieten geordnet bietet die Anthologie weit über 200 Dichterstimmen aus der gesamten Republik. Von mir sind mit Hemd und Jägerzaunsonate zwei Gedichte enthalten.

Versnetze_neun, Verlag Ralf Liebe, Weilerswist, 328 Seiten, 24 Euro, ISBN: 978-3-944566-58-0

Ernst Willimowski-Feature

Passend zum EM-Vorrundenspiel Deutschland – Polen strahlt am 16. Juni die WDR 5-Sendung Neugier genügt ein knapp 20-minütiges Feature von Daniel Huhn und Diethelm Blecking über den lange vergessenen Fußballer und Wunderstürmer Ernst Willimowski aus, der zu Zeiten des Dritten Reiches sowohl für Polen, als auch für Deutschland Länderspiele absolvierte. Das Feature schließt mit meinem Gedicht über eine Begegnung mit Willimowski (1), den ich Anfang der 80er als einer von offenbar sehr wenigen Zeitzeugen in seiner Wohnung in der Karlsruher Südstadt besucht hatte.

Das Feature steht nach der Ausstrahlung hier als Podcast zur Verfügung.
Im Übrigen haben die Autoren auch für die Spiegel Online-Rubrik Eines Tages über Willimowski geschrieben.

In seiner schlesischen Heimat gilt Ernest Wilimowski (wie er in Polen genannt wird) als einer der besten Fußballer aller Zeiten, nicht nur Schlesiens, sondern ganz Polens, wenn nicht der Welt. Bereits vor drei Jahren hatte mich die führende schlesische Tageszeitung Dziennik Zachodni für einen Artikel über mein Zusammentreffen mit Willimowski befragt und das Gedicht ins Polnische übertragen.

(1) ernst willimowski. In: die welt auf dem fusz, Berlin 2006